Archiv für den Monat: September 2010

McGoverns Pub

Donnerstag Abend hat sich in unseren „wir gehen gemeinsam in den Pub“-Abend verwandelt. Und mit „Pub“ ist die irische McGovern’s Tavern auf dem Rutgers Campus gemeint, der nur 10 Fußminuten von mir entfernt liegt. Da wir alle Freitags frei haben ist dies die optimale Zeit. Und da neben den Business Students auch die Rutgers Law Students Freitags frei haben, ist der McGoverns Pub Donnerstags entsprechend gefüllt und es ist immer witzig, vorallem da die Barkeeper ziemliche Spaßvögel sind (siehe Eintrag „Trinkspiele“). Mit meinen zwei Mitbewohnern war ich jetzt schon drei Mal da und habe mir die „wichtigsten“ amerikanischen Trinkspiele wie Beer Pong, Bitches Bitches, Screw the Dealer oder Never Have I Ever beibringen lassen. Langsam kenne ich sie alle. Das hat uns manch lustigen Abend beschert, und das obwohl ich mich (bis auf ein Mal) mit dem Trinken zurückgehalten habe.

Uni, Uni, Uni, …

Jetzt kommt er endlich. Der erste Post zur Uni und den Vorlesungen. Kurz vorweg: Ich habe für die Uni momentan sehr viel zu tun und komme nicht dazu Blogeinträge zu machen. Material gäbe es genug. Mal sehen wann ich die fehlenden Stückchen nachhole.

Zur Rutgers Business School (RBS) brauche ich morgens ca. 15min zu Fuß. Und das einfach nur eine Straße entlang. Ich habe Montags bis Donnerstags von 8:30 Uhr bis 16:00 Uhr Vorlesung (mit 1,5 Stunden Mittagspause) und Freitags frei. Am freien Tag sitze ich oft auch in der Uni, um Hausaufgaben zu erledigen oder an Gruppentreffen teilzunehmen. Die Mittagspausen und Nachmittage werden meist mit Ressortvorstellungen und -treffen gefüllt, sodass ich unter der Woche meist erst nach 17:30 Uhr erschöpft zuhause ankomme.

Die Vorlesungen selbst sind allesamt interessant, auch die die ich an der BiTS bereits absolvierte habe, da die Herangehensweise hier eine ganz andere ist. Im MBA-Programm wird überwiegend mit Case Studies gearbeitet. Diese Fallstudien, meist 10-20 Seiten lang, schildern eine Problemsituation in einem (echten) Unternehmen, die es zu lösen gilt. Entweder muss die Situation analysiert werden oder es werden konkrete Handlungsalternativen vorgegeben. Anhand des Textes und seitenlangem Finanz-Anhang muss man entscheiden wie das Unternehmen vorgehen sollte. Das ist sehr spannend, erfordert allerdings auch viel Arbeit, da Cases in vier (meiner sieben) Vorlesungen wöchentlicher Bestandteil sind. Die Cases werden in den Vorlesungen dann im Detail besprochen (45-60 Minuten pro Fall) bzw. eingesammelt. In einem Kurs geht es sogar ausschließlich, um die Besprechung der Fallstudien, was die Vorlesung eher zu einer Diskussionsrunde, als einer „echten“ Vorlesung macht.

Ansonsten wird alles eher quantitativ als qualitativ angegangen. Mikroökonomik bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung. Da wird nicht viel mit Kurven rumgemalt, wie an der BiTS, sondern da werden knallhart dutzende Szenarien anhand von Formeln durchgerechnet. Es tut gut auch mal diese Seite zu sehen, wobei es SEHR nützlich ist den Kurs schon einmal besucht zu haben. Viele meiner Kommilitonen ohne BWL-Hintergrund gehen da leider schnell unter. Und von selbstgebauten Beispielen halten die Profs hier auch nicht viel. Es geht selten um „Firma X“, sondern fast immer um Microsoft, Apple, Dell, Boston Consulting, Viacom, Merck, etc. Da wird keine „gebaute“ Bilanz gezeigt, sondern Yahoo Finance aufgerufen und der Echtzeitkurs von Intel analysiert und bewertet. Sehr interessant und praxisnah!

Man kennt es von der BiTS: Drei Monate auf der faulen Haut liegen und zwei Wochen vor der Klausurphase kein Auge mehr zutun und von Kaffee am Leben gehalten. Das ist hier anders. Man ist unter Dauerstrom, dafür nicht so sehr wie in der Klausurenphase. Für jede Vorlesung müssen Buchkapitel, Cases und Texte gelesen und Aufgaben gelöst werden. In jeder Vorlesung gibt es einen Mid-Term Exam, sowie Präsentationen und Assignments, sodass die Endsemesterklausur „nur noch“ 40% zählt. Das heisst allerdings auch wer ein paar Tage nichts macht kommt schnell ins straucheln. Bisher komme ich halbwegs hinterher, nur die Readings in den Lehrbüchern laufen auf Sparflamme, da es oft noch um Einführungen geht und es sonst einfach zu viel zum Lesen wird (50-60 Seiten pro Vorlesung).

In meinen Kursen sind immer die gleichen 45 Leute und langsam kann ich auch alle Namen. Fragenstellen ist erwünscht und ein beachtlicher Teil der dreistündigen (!) Vorlesungen wird mir Diskussionen verbracht. Die Profs sind allesamt hochkarätig und viele kommen von Ivy League Universitäten wie der Columbia Business School in New York. Bisher ist mir noch kein „Langweiler“ oder „Studienfach-Fanatiker“ untergekommen.

Insgesamt fühle ich mich an der Rutgers Business School sehr wohl. Das Niveau ist hoch, Profs und Mitarbeiter sind alle nett, die Ausrüstung ist modern und in ausreichender Kapazität verfügbar, für alle Bedenken gibt es einen Ansprechpartner, die Ressorts werden großzügig finanziell unterstützt UND – das Wichtigste – Kaffee und Kekse gibt es umsonst.