Archiv für den Monat: April 2012

Auf der Zielgeraden

Kaum zu glauben, aber wahr: Ende des Monats schließe ich mein zweijähriges MBA-Studium an der Rutgers Business School ab. Ich bin schon 608 Tage hier und USA ist zum Großteil mein neues Zuhause geworden. Ich fühle mich hier wohl und habe mich gut integriert.

Meine letzte Klausur findet am 30. April statt. Bis dahin habe ich sehr viel um die Ohren. Neben Lernen, werden Final Papers, Final Presentations, Reports und Projects langsam fällig und ich fühle den Druck. Aber es ist definitiv ein Ende in Sicht. Am 14. Mai ist dann meine Abschlussfeier, die „Annual Convocation Ceremony“, welche in der riesigen Eventhalle NJPAC (New Jersey Performing Arts Center) in Newark stattfindet. Ich freue mich sehr, dass meine Eltern extra für mich deswegen in die USA fliegen. Schade, dass nicht mehr von euch da sein können. Ich würde euch gerne meine Uni und Umgebung zeigen.

Im Anschluss beginnt ein kleines Abenteuer. Und zwar begebe ich mich mit meinem deutschen Fulbright-Kollegen Joachim auf einen Roadtrip durch den Süden der USA. Ich werde in den nächsten Wochen einen eigenen Eintrag dazu verfassen, aber vorweg: 15 Tage, 2 Leute, 1 Auto, 5 Bundesstaaten, 3.700 Kilometer.

Ernst & Young Consulting Case Competition

Vor zwei Wochen habe ich an einem einmaligen Event teilgenommen, nämlich einem Fallstudienwettbewerb mit Fokus auf Unternehmensberatung und Supply Chain Management. Dieser Wettbewerb wurde von Ernst & Young landesweit ausgeschrieben und richtete sich speziell an MBA-Studenten an Top Business Schools. Also habe ich mir sorgfältig drei motivierte Kommilitonen  gesucht die gewillt waren eine Woche lang ihr normales Leben aufzugeben und nur für die den Case zu leben.

Sonntagmorgen vor zwei Wochen wurde der Fall elektronisch freigegeben und wir fingen sofort an. Wir bekamen vier Seiten Text und ein paar Tabellen mit Finanzkennzahlen. Es ging um einen globalen Getränkehersteller (ca. $5 Mrd. Umsatz) der jegliche Form von Getränken produziert und vertreibt. Von Saft und Wasser über Bier und Wodka war alles dabei. Die Firma ist in der Vergangenheit massiv durch Akquisitionen gewachsen und hat dadurch viele redundante Produktions- und Lagerstandorte mitgeerbt. Das hat langfristig die Distributionskosten massiv  in die Höhe getrieben und die Profitabilität gebremst. Unsere Aufgabenstellung war es innerhalb von fünf Tagen ein Sanierungskonzept zu erarbeiten welches die Unternehmensschieflage innerhalb von 10 Monaten maßgeblich verbessern würde. Dieser Plan sollte detailliert beschrieben werden, inklusive Kostenaufstellungen und Implementierungsplan. Das Ganze sollte in eine Powerpoint-Präsentation gepackt werden die sich problemlos in 15 Minuten Präsentieren lässt.

Da wir alle Supply Chain Management als Studienschwerpunkt haben fanden wir das Thema super. Den gesamten Sonntag haben wir mit Brainstorming und Analyse verbracht. Als die groben Lösungen feststanden ging am Montag die echte Arbeit los. Wir saßen vier Tage lange von 8 bis 21 Uhr in einem stickigen Konferenzzimmer an der Uni. Kaum zu glauben, dass wir über 50 Stunden an nur 10 Slides gesessen haben. Aber bei nur 15min Präsentation musste jedes Wort sitzen und jede Grafik auf den Pixel genau ausgerichtet sein.

Die eigentliche Präsentation fand am Freitag darauf an der Notre Dame University in South Bend, Indiana (ca. 2 Autostunden von Chicago) statt. Also sind wir Donnerstagabend nach Chicago geflogen. Da unser Flug knapp vier Stunden Verspätung hatte musste wir unsere Präsentation am Flughafen üben und finalisieren. Alles drumherum war uns egal und wir übten vor allen anderen Fluggästen am Gate. Wir kamen erst gegen 1 Uhr morgens im Hotel in Chicago an. Von dort ging es am nächsten Morgen in einem Mietwagen zwei Stunden westlich nach Indiana. In diesem Staat gibt es übrigens so gut wie nichts. Das Land ist flach, die Autobahnen sind leer und es ist üblich, dass Lastwagen bis zu drei Anhänger haben (siehe Bilder).


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Die Uni selbst ist wunderschön. Der Campus ist groß (es gibt ja genug Platz) und die Gebäude sehen sehr mittelalterlich aus, mit Zinnen und kleinen Türmchen. Zudem befindet sich – typisch amerikanisch – mitten auf dem Campus ein riesiges Footballstadion wo nach der Präsentation die Preisverleihung stattfand.

Nach der Ankunft hatten wir erst einmal eine Stunde Zeit durchzuatmen und zu üben bevor wir an der Reihe waren. Es gab neben uns noch zwölf weitere Teams. Die Jury bestand aus fünfzehn Partnern von Ernst & Young und zwei Dozenten von Notre Dame. Unsere Präsentation lief gut und wurde gut angenommen. Die Fragen konnte alle zufriedenstellend beantwortet und wir waren daher sehr stolz am Ende auf dem vierten Platz zu landen. Zudem konnten wir viele Top-Unis in die Schranken weisen! Hier das finale Ranking, plus die nationalen MBA-Rankings als Vergleich:

  1. Indiana University: Kelley School of Business, Team 1 (US News MBA Ranking #23)
  2. University of Chicago: Booth School of Business, Team 1 (#4)
  3. Purdue University: Krannert School of Management (#42)
  4. Rutgers University: Rutgers Business School (#63)
  5. University of Chicago: Booth School of Business, Team 2 (#4)
  6. University of Chicago: Booth School of Business, Team 3 (#4)
  7. University of Chicago: Booth School of Business, Team 4 (#4)
  8. Michigan State University: Broad College of Business (#44)
  9. Indiana University: Kelley School of Business, Team 2 (#23)
  10. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 1 (#25)
  11. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 2 (#25)
  12. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 3 (#25)
  13. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 4 (#25)