Archiv für den Monat: Februar 2013

„I never knew Country could hurt so good!“

Der Süden ist anders. Das weiss man, zumindest vom Hörensagen. Doch wie unterscheidet er sich wirklich von New York? Es sind viele Kleinigkeiten. Auf der einen Seite mehr warmes Wetter, mehr Platz, mehr breite Straßen, mehr Pickups, mehr Natur, mehr Dialekt, mehr Republikaner, mehr Religiosität, mehr Fast Food, mehr Sweet Tea, mehr Barbeque und mehr Country-Musik. Und auf der anderen weniger Stress, weniger Wetterchaos, weniger Vielfalt, weniger Toleranz und weniger Multikulturellität. Natürlich sind das Pauschalisierungen, aber im Großen und Ganzen habe ich gelernt, dass in den meisten Stereotypen auch etwas Wahrheit steckt. Generell muss ich sagen, dass der Nordosten (d.h. Boston, New York, Washington) wirklich nur „USA Light“ ist. Hier in North Carolina ist das Leben doch anders. Jedoch sind nicht alle Unterschiede offensichtlich. Eine dieser unerwarteten Auffälligkeiten habe ich gestern erlebt. Der Plan war: Clubben gehen.

Wer mich kennt weiss, dass ich kein Partygänger bin. Ich hasse es bis morgens um fünf auf zu sein, Geld für überteuerte Getränke auszugeben nach denen ich mich am nächsten Tag schrecklich fühle, mir schmerzhaft laute Musik anzutun, in einem dunklen Raum voller fremder Leute mir die Füße plattzustehen, zu Schwitzen wie ein Schwein und auf der Tanzfläche abzuzappeln. Ich sitze lieber mit einem kühlen Bier und entspannter Hintergrundmusik mit einer Handvoll guter Freunde zuhause beisammen. Aber gelegentlich muss man auch mal ausgehen. Gelegentlich muss man was verrücktes machen, die Nacht Tag sein lassen und mehr Trinken als sonst. Vorallem wenn man in einer neuen Umgebung ist. Gestern war so ein Abend.

Die Grundregeln sind die Gleichen: Zuhause vorglühen, Stimmung machen und dann spät Abends los in den Club. Der Inhalt ist aber anders. Die Location war ein Saloon, der „City Limits Saloon“ um genau zu sein. Viel Holz, rustikale Deko und ein mechanischer Bulle setzten die richtige Stimmung. Viele Männer trugen Cowboy-Stiefel und karierte Hemden. Die Frauen kamen in erdfarbenen Kleidern und trugen oftmals dieselben Stiefel. Aber die größte Überraschung war die Musik. Keine Charts- und Clubtracks sondern durchgehend Country-Titel, wenn auch gelegentlich mit verstärktem Bass. Und dazu wurde entsprechend getanzt. Two Step, Shag, Boogie und Polka. Zwar sehr einfache Schrittfolgen, aber dennoch komplett anders als gewohnt. Es hat einfach Spaß gemacht sich in so einer Umgebung gehenzulassen und mitzusingen. Klar, die stickige Luft, das wässerige Bier und die Lautstärke der Musik waren gleich, aber es herrschte eine ganz andere Atmosphäre. Und wie das Schild über der Bar richtig feststellte: „You never thought Country could hurt so good!“

Schild über der Bar im City Limits Saloon
Schild über der Bar im City Limits Saloon

Und hier sind zwei der geläufigeren Titel die gestern liefen.

Mumford & Sons – I Will Wait

Florida Georgia Line – Cruise