Archiv für den Monat: März 2013

Nutzwertanalyse: Autobahn vs. Highway

Schon seit Monaten überlege ich was besser ist: Deutsche Autobahnen oder Amerikanische Highways. Für einen Deutschen ist die Antwort sicherlich klar, aber so einfach ist das nicht. Denn der Fahrfluss und die Durchschnittsgeschwindigkeit sind in den USA wirklich nicht übel. Die Highways sind teilweise sieben- oder achtspurig und rechts überholen ist erlaubt bzw. wird geduldet.

Also habe ich beschlossen ein Geek zu sein und eine Nutzwertanalyse durchzuführen. Richtig schön mit Faktorgruppen und Gewichtung. Das Endergebnis fiel recht knapp aus, stimmt aber mit meinem Bauchgefühl über ein: Es geht doch nichts über eine gute freie deutsche Autobahn!

Nutzwertanalyse (Skala von 1 bis 5, wobei 5 die beste Wertung ist)
Nutzwertanalyse (Skala von 1 bis 5, wobei 5 die beste Wertung ist)

Global Classroom Reloaded – Career Orientation Day

Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Global Classroom Program, an dem ich 2011 und 2012 in New York teilgenommen hatte. Damals ging ich für jeweils eine Stunde in eine New Yorker High School, um den Kindern mein Heimatland Deutschland vorzustellen. Das hat richtig Spaß gemacht und das Feedback war sehr positiv. Als sich dann vor ein paar Wochen eine ähnliche Gelegenheit auftat zögerte ich nicht lange und sagte zu.

Dieses Mal ist das Programm etwas anders. Es kam nicht von Fulbright, sondern vom Volunteer-Netzwerk meines Arbeitgebers. Gesucht wurden einige Leute, um ihren Beruf und ihre Firma als Teil eines „Career Orientation Day“ an zwei lokalen Schulen vorzustellen. Publikum war eine Gruppe 13-14-Jährige Kinder der Rogers-Herr Middle School in Durham und der East Cary Middle School in Raleigh. Insgesamt waren es vier Klassen à 30 Kinder pro Schule, also 240 Schüler. Und das an einem Donnerstag und einem Freitag, zusätzlich zum normalen Arbeitsalltag. Bei der Anmeldung sah mein Terminkalendar für die Zeit noch recht entspannt aus, doch je näher die zwei Tage kamen, umso stressiger wurde die Arbeit, sodass ich meinen Vortrag erst spät am Abend vorher planen konnte.

Dennoch hat es riesigen Spaß gemacht. Es waren Leute aus allen Berufsgruppen vertreten. Feuerwehrmänner, Polizisten, Ärzte, Wissenschaftler, Beamte und BWLer aller Disziplinen (Marketing, Finanzen, Vertrieb, Forschung, etc.). Die Kinder waren aufgeweckt und neugierig. Ich habe viele Fragen bekommen, die teilweise erschreckend anspruchsvoll waren. Hier ein Auszug:

  • Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche? Musst du am Wochenende arbeiten? Wie viel Urlaub hast du und mit wie viel Flexbilität kannst du diesen nutzen?
  • Auf einer Skala von 1 bis 10, wie sehr gefällt dir dein Job?
  • Was war dein Lieblingsfach in der Schule? Nutzt es dir in deinem Job? Gibt es andere Fächer die für deinen Job hilfreich sind?
  • Kannst/musst du in deinem Beruf viel reisen?
  • Wie sieht dein typischer Tag aus?

Natürlich gab es in jeder Gruppe einen Klassenclown und einige weniger intelligente Fragen:

  • Spielst du Call of Duty? Spielst du Videospiele? Was ist dein Lieblingsspiel?
  • Entwickelt deine Firma Videospiele? Kannst du während der Arbeit Videospiele spielen?
  • Kann ich dein Autogramm haben?

Besonders letzte Frage fand ich etwas bizarr. Ich hätte schwören können, dass eines der Kinder eine Wette verloren hatte und nun den Redner um ein Autogramm bitten musste. Jedenfalls habe ich geschmunzelt, den Zettel entgegen genommen und etwas Unleserliches draufgekritzelt. Aber insgesamt war ich recht beeindruckt von den Kindern. Sie waren sehr neugierig, aufmerksam und entgegneten mir mit Respekt. Ich weiss nicht ob ich damals schon so erwachsen war.

Und auch ich habe an den Tagen einiges Neues erlebt und gelernt: Zum einen, war ich noch nie zuvor in einer Middle School. Dies ist ein amerikanisches Rezept. Statt Grundschule und dann High School, werden beide um 1,5 Jahre gekürzt und noch eine dritte Schule eingeschoben. Mir ist die Logik dahinter nicht wirklich klar, dass Änderungen im jungen Alter immer stressig sind, vorallem was den Freundeskreis angeht. Ich wäre damals am liebsten an einer Schule länger geblieben. Zum anderen, mir ist wieder einmal klar geworden wie wichtig es ist auf das Publikum und dessen Wissensstand einzugehen. Ich bin durch meinen Job gewohnt eine Powerpoint-Präsentation zu entwickeln und diese dann vorzutragen. Selten muss ich Sachverhalte auf die einfachste aller einfachen Ebenen reduzieren und entsprechende Vergleiche finden mit denen die Kinder etwas anfangen können. Gar nicht so einfach!

Nächsten Monat habe ich mich für ein weiteres Event angemeldet: Diesmal jedoch mit Universitätsstudenten im ersten Semester an der North Carolina University. Auf den direkten Vergleich bin ich gespannt.

Anmerkungen: Sobald ich von den Schulen die offiziellen Fotos bekomme werde ich sie hier veröffentlichen.