Archiv für den Monat: April 2013

Langes Wochenende in New Orleans, LA – Teil 2

Eine Sache auf die ich mich in New Orleans natürlich besonders gefreut hatte war das Essen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Mandy hatte im vorhinein einige Restaurants rausgesucht und wir fanden zusätzlich auch spontan gute Lokale. Üblich in der Gegend sind Fisch, Garnelen, scharfe Soßen, „Po’Boys“ und „Muffulettas“. Ein Po’Boy ist ein Sandwich mit Wurst, die nicht aus Schweinefleisch, sondern aus Garnelen oder Hummerfleisch gepresst ist. Klingt komisch, is aber so (und dazu noch lecker). Ein Muffuletta ist ebenfalls ein Sandwich, allerdings aus Fladenbrot, belegt mit Schinken, Käse, Salami und Oliven. Das Essen war insgesamt sehr lecker und es wurde auch in einem anderen Tempo genossen als in den Rest der USA. Es verging immer viel Zeit zwischen den Gängen, man wurde nicht direkt genervt wenn man zehn Minuten lang nichts bestellt hatte und die Bedienungen waren überragend. Jeder Ober konnte problemlos jede unserer Fragen zu den Gerichten beantworten, erzählen genau wie es zubereitet wird, welcher Wein passt usw. Und das auch in den günstigeren Lokalen. Die Servicewüste Deutschland kann sich von New Orleans auf jeden Fall eine dicke Scheibe abschneiden.

Abends stand natürlich Musik auf dem Programm. Und zwar Jazz, Dixieland oder Swing. Schon tagsüber begegnete man öfters Straßenbands die fetzige Töne spielten, und so waren wir auf die professionellen Auftritte gespannt. Und obwohl Jazz nicht zu meinen Lieblingsgenres gehört war die Musik klasse. Sie hatte Stil, aber wirkte dennoch natürlich und angemessen. Wir saßen in einer Hotellounge, lauschten der Musik und konnten uns nicht dazu bewegen aufzustehen. Die Musik war, trotz ihres langsamen Tempos, fesselnd und mitreißen.

Am letzten Tag beschlossen wir die Gegend außerhalb der Stadt etwas zu erkunden. Denn neben Musik und Essen ist die Gegend bekannt für ihre Geschichte. Vorallem in Bezug auf den Sklavenhandel und Baumwollplantagen. Also mieteten wir uns ein Auto (nebenbei gesagt war es ein wirklich klasse Auto: Ein VW Passat CC der neusten Generation) und fuhren raus ins Land.



A: New Orleans, B: St. Joseph Plantation, C: Baton Rouge, D: Flughafen

Die Landschaft erinnerte Stark an die Everglades in Florida, denn es war sumpfig die Wälder wirkten schon fast dschungelartig. Überall entlang des Mississippi hatten sich vor vielen Jahren Plantagen etabliert, primär zur Erntung von Baumwolle und Zuckerrohr. Dies waren bombastische Villen auf riesigen Landstücken, erbaut und betrieben von Sklaven. Mit dem amerikanischen Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Plantagen unprofitabel und wurden verlassen. Die meisten wurden abgerissen und durch Sand- und Tonfabriken ersetzt. Doch einige sind erhalten geblieben und eine davon schauten wir uns an.

Es war nichts atemberaubendes, aber es brachte mir ein wichtiges Stück Geschichte näher und machte es real. Zwei Realisationen: 1) Unvorstellbar, das Leben eines Sklaven auf einer Plantage. Die Hitze, die Arbeit, die Lebensbedingungen, und wie ein Gegenstand behandelt zu werden. Die Plantage wurde seit ihrem Bau einige Male verkauft und entsprechend wurde bei jeder Transaktion das Inventar aufgelistet, inklusive der Sklaven. Herzzerreißend zu sehen, dass es für Sklaven Marktwerte gab, je nach Alter, Kraft, Geschlecht und Anzahl Kinder. So war „Big Earl, 28“ im Jahr 1840 $3.200 wert, „George, 45“ $2.000, „Old Isaac, 72“ nur $32, und „Tom, 15, *paralyzed“ gerade mal $1.50.“ 2) Es gab durchaus aus humane Plantagenbesitzer die ihre Arbeiter zumindest medizinisch gut versorgten und ihnen etwas Freizeit gab. (Allerdings mag das an den hohen Marktwerten gelegen haben. „Big Earl“ würde in „2013 Dollars“ $86.000 wert sein).

Nach dem Ausflug hatten wir noch etwas Zeit bevor wir zurück zum Flughafen mussten, also beschlossen wir bei dem guten Wetter noch bis nach Baton Rouge dem Mississippi zu folgen und die Landschaft zu genießen. Die Fenster waren offen, die Straßen waren kurvig und das Fahren hat Spaß gemacht. Nur die Landschaft sah traurig aus. Der Fluss voller Öltanker und an den Ufern große Fabriken und Ölfelder so weit das Auge sehen konnte. Wir kamen durch viele kleine Ortschaften die direkt an den Fabrikgeländen lagen. Bilderhübsche Häuschen und kleine Sträßchen, die wunderschön wären wenn da nicht diese riesigen Schandflecke gleich nebenan stehen würde. Wirklich schade. Aber faszinierend wie viel Öl, Ton, Sand und Zucker in der New Orleans Gegend produziert wird.

Nach unserer Spritztour kamen wir pünktlich am Flughafen an und traten unsere jeweiligen Rückflüge an. Glücklicherweise dieses Mal ohne Gepäckverlust.

Langes Wochenende in New Orleans, LA – Teil 1

New Orleans (bzw. umgangssprachlich „Neworlans“, „N’Awlins“, oder „Nola“, kurz für New Orleans, Louisiana) im Bundesstaat Louisiana war ein Ort den ich schon seit einiger Zeit auf meiner Liste hatte. Oft wurde ich in den letzten zwei Jahren gefragt: „Have you ever been to New Orleans? No? Dude, you HAVE to go.“ Das Essen sei angeblich klasse und die Architektur unvergesslich. Mandy war ebenfalls noch nie dort und so konkretisierten wir schlussendlich Anfang des Jahres wir unsere Pläne und flogen für ein langes Wochenende in den tiefen Süden.


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Da Mandy zur Zeit in der Nähe von Washington DC arbeitet flog sie von dort direkt da hin. Für mich gab es leider keinen Direktflug, da Raleigh keinen großen Flughafen hat. Trotz Umstieg in Orlando konnten wir es so planen, dass wir etwa zeitgleich ankamen. Die reine Flugzeit betrug 3,5 Stunden und eigentlich lief auch alles wunderbar bis ich am Zielflughafen feststellte, dass die Airline mein Gepäck verschlampt hatte. Mittlerweile war es 23 Uhr und ich war einfach nur müde. Ich füllte genervt einige Formulare aus, nahm einen Kulturbeutel entgegen und machte mich mit Mandy aber ohne Gepäck auf Richtung Hotel. Als ich auf der Taxifahrt aus dem Fenster die Stadt so betrachtete war ich nicht beeindruckt. Runtergekommene Häuser, Graffiti und viel Armut. Ein bisschen wie in Newark. Doch unser Hotel war schön: Ein altes Eckhaus mit ausladenden Balkonen, gusseisernen Balustraden, großen Fenstern und Klappläden. Innen begrüßte uns viel dunkles Holz und traditionelles Mobiliar.

Der nächste Morgen begann mit einem erfreulichen Anruf, dass mein Koffer in der Nacht unten an der Rezeption abgegeben wurde. So hatte ich – nach einer Nacht in verschwitzten Arbeitsklamotten – direkt wieder frische Kleidung und Badzeug. Damit ließ sich der Tag schon besser bestreiten. Und was für ein Tag es werden würde. 25°C, Sonnenschein und ein wolkenloser Himmel. Nicht überraschend für eine Stadt nahe der Golfküste, aber selbst für North Carolina-Verhältnisse warm.


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Nach dem Frühstück machten wir uns also zu Fuß auf in die Stadt. Die Gegend rund um das Hotel war zwar nicht einladenend, doch nur wenige Straßen weiter kamen wir in das French Quarter, den historischen Teil der Stadt. Mir klappte ziemlich schnell die Kinnlade runter. Fast jedes Gebäude wirkte als wäre die Blaupause eine Postkarte gewesen: Pechschwarze gusseiserne Balkone, schmale hohe Fenster, farbenfrohe Wände, hölzerne Klappläden und viele Pflanzen. Die Straßen waren schmal und voll mit Leuten. Viele der Häuser waren Restaurants, historische Hotels, Kunstgallerien, Antiquitätengeschäfte oder sympathische Ramschläden. Man sah die gelegentliche Pferdekutsche und aus dem einen oder anderen Fenster säuselte Jazzmusik. Diese Gegend zog sich zehn bis fünfzehn Blocks in alle Richtungen, war also recht groß. Es gab viel zu entdecken. Kleine Innenhöfe mit Cafés.

Und mitten im French Quarter dann – ganz unerwartet – die Bourbon Street. Ein billiges Lokal neben dem anderen, Clubmusik, besoffene Jugendliche, kaputte Gläser auf der Straße und Alkohol in der Öffentlichkeit. Das klingt vielleicht als wäre es nichts besonderes, doch New Orleans ist der einzige Ort in ganz USA wo man in der Stadt in der Öffentlichkeit Alkohol konsumieren darf. In allen anderen Städten ist es streng verboten. (In North Carolina darf man nicht mal eine Flasche Alkohol mit sich im Passagierraum eines Auto führen, selbst wenn man nüchtern ist.) Doch diese Freiheit ist nur halb durchdacht. Man darf mit Alkohol in kein Geschäft rein und in kein Auto oder Taxi steigen. Ist man also mal draußen heißt es „auf Ex!“ bzw. „Chug! Chug! Chug!“ Als wären die Schnapsnasen von Karneval und Fasching gemeinsam in die USA ausgewandert. Und das schon am Vormittag. Und tatsächlich gibt es so etwas wie Karneval in den USA. Das Fest heißt „Mardis Gras“ und findet jedes Jahr kurz vor Aschermittwoch statt. Und was Köln für den Karneval ist, das ist New Orleans für Mardis Gras. Die Traditionen sind recht ähnlich, bis auf eine merkwürdige amerikanische Eigenheit: Plastikperlenketten… Billige, regenbogenfarbene Perlenketten. Sie hängen von Laternen, in Bäumen, in Fenstern, überall. Die dazugehörige Geste ist recht einfach und vorallem für Männer durchaus lukrativ. Man kaufe vor dem Fest dutzende Perlenketten und gehe auf eine Frau zu. Man gebe der Frau eine der Perlenkette. Im Gegenzug entbößt die Frau für den Mann ihre Brüste. Kein Witz! Siehe hier. Am Ende des Abends „gewinnen“ jene Frauen die die meisten Perlenketten haben und jene Männer die wahrscheinlich wegen Reizüberflutung vor Sauerstoffunterversorgung des Gehirns am Boden liegen. Nach Erläuterung dieser Tradition machte auch plötzlich die Empfehlung meiner männlichen Arbeitskollegen „make sure to bring beads“ Sinn.

Doch so verrückt war es zu dieser Zeit in New Orleans dann doch nicht. Es war nur wie eine normale Samstagnacht in Köln. Zum Glück beschränkte sich dieser Bereich auf diese eine Straße. Und einen Block weiter war schon nichts mehr zu hören und zu sehen.

Am einem Ende des French Quarter lag unser Hotel, am anderen der Mississippi River. Vom Fluss war ich absolut unbeeindruckt. Ein riesige, braune, hässliche Wassermasse, voll mit Öltankern und gesäumt durch Fabriken, Raffinerien und Lagerhäuser. Keine naturbelassene Idylle mit Schaufelraddampfern. Sehr schade. Zudem ist New Orleans weiter weg vom Meer als ich dachte. Man muss über 100km flussabwärts schippern, bzw. 60km per Land zurücklegen. Dennoch ist er breit und tief genug, dass Kreuzfahrtschiffe und Frachter über 500km flussaufwärts fahren können. Entsprechend ist es nicht überraschend, dass der Mississippi schon seit Jahrhunderten eine Haupthandelsroute ist.

Um die Geschichte und die Größe des Fluss besser zu verstehen haben wir am zweiten Tag einen zweistündigen Ausflug mit einem echten Schaufelraddampfer unternommen. Es gibt in den USA nur noch zwei die sich in Betrieb finden und mit Dampf/Schaufelrad angetrieben werden. (Witzigerweise ist das Schiff auf dem wir waren – die „Natchez“ – auf dem Buchdeckel des deutschen ADAC-Reiseführers „USA-Südstaaten“ abgebildet, welchen ich dabei hatte). Die Fahrt war entspannend und es war schön, dass der Fahrtwind die Intensität der Sonne angenehmer machte.

Fortsetzung folgt…