Archiv für den Monat: Februar 2014

Chinesisches Neujahrsfest

Der 31. Januar 2014 war ein wichtiger Tag in Asien. Er markierte den Beginn des neuen Jahres gemäß dem chinesischen Kalender. Obwohl China seit 1929 den gregorianischen Kalender nutzt, wird der traditionelle Kalender (der schon vor Christi Geburt in Kraft trat) auch heute noch zur Festlegung der Nationalfeiertage verwendet. Die Zeit wird per Mond- und Sonnenzyklen bestimmt, d.h. ein Monat hat zwischen 29,4 und 31,4 Tage, wodurch der Jahresbeginn jedes Jahr um ca. zehn Tage vorrückt, bis er alle 2-3 Jahre durch einen Schaltmonat wieder 30 Tage zurückspringt. D.h. das chinesische Neujahr fällt immer zwischen den 21. Januar und den 21. Februar. Und anders als der gregorianische Kalender hat der chinesische keine Jahreszahlen, sondern Zeichen, die sich in einem 60er-Jahreszyklus wiederholen. Sie ergeben sich aus der Kombination von zehn Himmelselementen (in 2014 „Holz“) und zwölf Tieren (in 2014 „Pferd“).

Obwohl die Tradition ursprünglich aus China kommt erkennen auch andere Länder in Asien den traditionellen Jahresbeginn an. So zum Beispiel Hong Kong, Taiwan, Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, und natürlich auch Singapur. Obwohl die Festlichkeiten zwei Wochen andauern bekommen die Menschen in der Regel nur zwei Tage frei, doch in China sieht es anders aus. Dort hat man zwar zwischen 7 und 10 Tage frei, allerdings muss man dafür das darauffolgende Wochenende opfern. D.h. dieses Jahr hatten die Chinesen vom 31. Januar bis zum 9. Februar frei, mussten dann allerdings zwölf Tage ohne Wochenende bis zum 14. durcharbeiten. Verrückt…

Das chinesische Neujahrsfest ist den Chinesen sehr wichtig. Es ist das wichtigste Fest des Jahres und ist grob mit unserem Weihnachtsfest zu vergleichen. Im Mittelpunkt stehen die Familie und der Respekt vor den Älteren. So begeben sich alle Familien am letzten Abend des alten Jahres zu den Großeltern, wo groß gemeinsam gegessen wird. Anschließend erzählen die Alten den Kindern Geschichten und es werden Spiele gespielt. Am liebsten Mah-Jongg, ein bekanntes chinesischen Gesellschaftsspiel das ein bisschen aussieht wie Domino. Kurz vor Mitternacht geht man dann auf die Straße, schaut sich das Feuerwerk an und wünscht sich „gong xi fa cai“ (Viel Glück und Wohlstand).

Doch dann geht man zügig ins Bett, da die nächsten zwei Tage ein straffes Programm angesagt ist. Dann werden nämlich sämtliche Verwandte besucht; eine Familie nach der anderen. Entsprechend ist in ganz Asien während dieser Zeit ein wahnsinniger Verkehr auf den Straßen (und in der Luft). In China sitzen Familien teilweise sogar mehrere Tage im Stau, da sie oft lange Strecken zurücklegen müssen und sich die Straßen mit knapp 1,3 Milliarden anderen teilen.

Neben Familie geht es auch um Glück und Wohlstand. So steht am Ende des alten Jahres ein Frühjahresputz an, an dem alle Fenster und Türen geöffnet werden, um Platz für das Neujahresglück zu machen. Zudem wird meist Fisch gegessen, da das Wort für Fisch im chinesischen fast genauso klingt wie „Wohlstand“. Wichtig ist natürlich den Fisch nicht ganz aufzuessen, um nicht das ganze Glück aufzubrauchen. Diese Feinheiten finden sich überall, z.B. auch in der Geometrie oder im Zahlensystem. Kreise, Symmetrien und Paare werden bevorzugt, da sie Unendlichkeit, Einheit, und Organisation wiederspiegeln. Entsprechend sind auch gerade Zahlen, „0“ und „8“  beliebt. Bei mir im lokalen Supermarkt gab es ein Gewinnspiel, wo man S$8.888, bzw. S$2.222 gewinnen konnte.

Eine weitere (weniger stressige) Tradition ist die Vergabe von „Hong Bao“, wörtlich „roter Umschlag“. Diese Umschläge werden mit Geldscheinen gefüllt und von verheirateten Familienmitglieder an unverheiratete weitergegeben. (Natürlich muss die Summe der Scheine eine gerade Zahl sein.) Der genaue Ursprung ist umstritten, aber der Sinn ist den Kindern ewige Jugend zu wünschen. Auch ich hatte in den letzten Jahren von Mandys Familie am Neujahr solche Umschläge erhalten.

Obwohl man in den meisten Ländern nur ein paar Tage frei hat, so geht das Neujahresfest ganze fünfzehn Tage lang. So finden in den Städten täglich Lichtspiele, Konzerte und kleinere Tanzvorführungen statt. Speziell in Singapur, Malaysia und Indonesien gibt eine zusätzliche Tradition, die die dort ansässigen Chinesen ins Leben gerufen haben: Das „Lo Hei“ Essen, wörtlich übersetzt „der Wohlstands-Wurf“. Meine Firma hatte ein entsprechendes Zusammentreffen organisiert und ich durfte zum ersten Mal an dieser Tradition teilhaben:

Alle gesellen sich (in meinem Fall in einem Restaurant) um einen runden Tisch auf dem ein großer leerer Teller steht. Daneben stehen viele kleine Schüsseln mit Zutaten, die entweder phonetische Ähnlichkeiten mit Glücksbegriffen haben, z.B. Fisch (= Wohlstand) und Rettich (= Jugend), oder visuelle Ähnlichkeiten, so z.B. Erdnusspulver (Goldstaub) und eckige Chips (Goldbarren). Diese werden von der Bedienung lautstark benannt und auf den Teller gekippt. Wenn alle Zutaten auf dem Teller sind nehmen alle am Tisch ihre Stäbchen in die Hand und auf „Drei“ werfen alle gemeinsam die Zutaten wieder und wieder in die Luft. Dabei schreien sie laut ihre Wünsche fürs neue Jahr bis alles gut durchmischt ist (und die Hälfte auf dem Tisch oder dem Boden gelandet ist…). Anschließend wird dieser „Salat“ aufgeteilt und gegessen. Der Geschmack ließ zwar zu wünschen übrig, aber eine einmalige Erfahrung war es auf jeden Fall.

Die Kultur in Asien hat wirklich viel zu bieten, bzw. teilweise sogar mehr als die unsere. Als „Westlicher“ bleibt einem so einiges verborgen und ich hoffe noch viel mehr solcher Einblicke in meiner Zeit hier zu erlangen.

An Weihnachten einmal um die Welt

Wie jedes Jahr flog ich über Weihnachten für zwei Wochen nach Deutschland. Doch dieses Mal ging es noch weiter. Und zwar anschließend nach New York, und von dort aus erst wieder nach Singapur zurück. Also 13 Stunden nach Frankfurt, 8 Stunden nach New York und dann 24 Stunden über Tokyo zurück nach Singapur. Einmal um die Welt.

32.700km...
32.700km…

Doch das war es mir wert. In Deutschland hatte ich eine klasse Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und in New York dann mit meiner Freundin. Die Wetter in Deutschland war zwar ungewöhnlich mild (ca. 10°C), aber doch fror ich sehr. Der Körper passt sich eben schnell an das lokale Klima an. Doch kaum hatte ich mich an die 10°C gewöhnt, musste ich den Prozess mit -20°C in New York wiederholen. Aber dazu gleich mehr.

Erstmal zurück in Deutschland gab es gewohnt leckeres Gebäck und Mahlzeiten von Mama. Die deutsche Küche vermisse ich in Singapur noch mehr als in den Staaten. Denn dort bekam man zwar kein gescheites Brot, aber wenigstens mit Leichtigkeit guten Käse und Wurst. Milchprodukte gibt es in Asien allerdings kaum. Sogar die Milch wird aus Australien eingeflogen und schmeckt auch entsprechend. Also schmeckte das Essen zuhause gleich doppelt so gut. Das „i“-Tüpfelchen war dann ein Gläschen Pfälzer Wein und  das gelegentliche deutsche Bier. Ein Traum!

Selten war ich so entspannt wie während diesem Weihnachtsurlaub. Mein erster richtiger Urlaub in 2013, denn obwohl ich im August ja schon in Deutschland war, war ich da Mitten im Umzug. Ich konnte also nun entspannt auf der Couch liegen, mal wieder Klavier spielen, viel Zeit mit der Familie verbringen und gute Freunde wiedersehen.

Nach Silvester ging es dann weiter nach New York, wo ich nochmal zehn Tage mit meiner Freundin verbringen konnte bevor es wieder zurückging. Ich musste zwar an einigen Tagen arbeiten, hatte jedoch genug Flexibilität, um einen „Kurzurlaub im Urlaub“ zu machen. Und zwar nach Newport, einer bildschönen Küstenstadt im Staat Rhode Island, zwischen New York und Boston. Mit dem Auto waren wir in fünf Stunden da und kuschelten uns in unser Hotelzimmer. Draußen war es nämlich so kalt, dass wir beide trotz höchster Wärmestufe im Auto froren. Die nächsten Tage verbrachten wir dann damit die Gegend zu erkunden, was trotz Kälte ganz gut funktionierte.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt als Sommerresidenz des amerikanischen Geldadels populär. Bekannt ist vor allem das „Cottage“ vom Eisenbahntycoon Cornelius Vanderbilt. Ein riesiges Schloss mit viel Prunk und Goldverzierung, direkt am Meer. Interessant zu sehen wie der Adel damals den Sommer verbrachte.

An einem der Urlaubstage fuhren wir 30 Minuten nördlich in die Hauptstadt des Staates, Providence. Dort befindet sich die renommierte Brown University, eine der acht elitären „Ivy League“ Universitäten, denen auch Harvard, Princeton und Yale angehören. Der Campus war wie erwartet architektonisch beeindruckend. Anschließend wärmten wir uns bei einem leckeren Mittagessen mit Blick auf den Providence River auf. Zudem wartete dort eine weitere Überraschung auf mich! Und zwar hatte Mandy heimlich meine beiden besten Freunde Ömercan und Darryl eingeladen, die mittlerweile im 60 Minuten entfernten Boston wohnen. Diese erschienen dann auf einmal vor mir und ich war total sprachlos. Die beiden hatte ich seit knapp zwei Jahren nicht mehr gesehen. So verbrachten wir zu viert einen schönen Nachmittag in Providence, mit vielen lustigen Geschichten aus dem Studium.

Am nächsten Tag ging es dann schon wieder zurück nach New Jersey und von dort aus am nächsten Morgen an den Flughafen. Dann begann die knapp 26-stündige Odyssee zurück nach Singapur. Glücklicherweise lief alles glatt und ich musste nirgends am Flughafen übernachten. Dennoch war die Reise so anstrengend, dass ich sie auf keinen Fall oft wiederholen möchte. Man kann eben nur so lange in einem Flugzeugsitz sitzen. Allerdings war das zweite Flugsegment von Tokyo nach Singapur recht interessant, da die japanische Airline ANA den Boeing 787 Dreamliner einsetzte. Hochmodern, sehr leise und erstaunlich geräumig. Das lässt den Airbus A380-800 dann doch alt aussehen. Allerdings liegt das vielleicht an der Bestuhlung der Lufthansa, die wohl mit Sardinen getestet wurde…

Nach Abreise an einem Montagmorgen in Newark kam ich an einem Mittwochmorgen um 2 Uhr total erschöpft am Singapore Changi Flughafen an. Ich wollte nur in mein Bett, doch dies blieb mir verwehrt. Denn als ich zuhause ankam hatte ich keinen Strom in der Wohnung. Und der Strom war wohl schon länger weg, denn es stank schon an der Haustür nach Verwesung und Schimmel… Ich traute mich kaum den Kühlschrank und die Tiefkühltruhe aufzumachen, doch ich tat es trotzdem, um (fast lebendige und) kaum identifizierbare Schweineschnitzel und Eiscreme schnell zu entsorgen. Dann holte ich den Sicherheitsdienst der den Hauptsicherungskasten aufschließen und die Hauptsicherung wieder reindrücke konnte, wonach zum Glück wieder alles anging. Ich holte dann die Deodose, sprühte einmal lang in Kühlschrank und Tiefkühltruhe, lüftete kräftig durch und ließ mich erschöpft ins Bett fallen.