Archiv für den Monat: Mai 2014

Seoul, Südkorea (서울, 대한민국)

Da mich in den ersten Monaten diesen Jahres das Fernweh wieder einmal gepackt hatte war ich froh Anfang April endlich wieder ein neues Land kennenlernen zu können: Südkorea.

Ich nutzte die Gelegenheit aus geschäftlichen Gründen drei Tage in Seoul sein zu müssen und hängte das folgende Wochenende noch zwei Tage Sightseeing dran. So konnte ich insgesamt eine knappe Woche in eine der technologisiertesten Metropolen Asiens verbringen. Die Stadt befindet sich im Nordwesten des Landes und ist nur 50 Kilometer von der DMZ entfernt, der demilitarisierten Zone, wo sich die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea befindet.

Seoul ist die Hauptstadt der „Republic of Korea“ (ROK). Nicht zu verwechseln mit der nordkoreanischen „Democratic People’s Republic of Korea“ (DPRK),  die ebenso wie die damalige DDR sehr wenig mit Demokratie zu tun hat. Von den 50 Millionen Einwohnern des Landes leben 9,8 Millionen in der Hauptstadt, gefolgt von 3,4 Millionen in Busan im Südosten des Landes. Die Stadt ist der Hauptsitz einiger riesigen Technologiefirmen, allen voran Samsung und LG, wie auch namhafter Automobilhersteller wie KIA, Daewoo und Hyundai. Zudem ist Seoul die „verkabelteste Stadt der Welt“, wo mehr als 95% der Bevölkerung einen Breitbandanschluss haben (verglichen mit ca. 70% in Deutschland, bzw. 88% in Berlin). Und für viele ist Südkorea natürlich durch dem Top-Hit „Gangnam Style“ erst richtig bekannt geworden. (Gangnam-gu ist ein Stadtteil Seouls.) Südkoreas Musikstil „K-Pop“ ist in ganz Asien bekannt und für viele Musik- und Modetrends weisungsgebend, inklusive der berühmt-berüchtigten glaslosen schwarzen Hornbrille. Und natürlich auch für ihr Essen. Wer in Asien von „Korean Barbecue“ erzählt hat oft Schwierigkeiten seinen Speichelfluss zu kontrollieren.

Aber Südkorea ist auch aus anderen Gründen sehr interessant: Es ist beispielsweise das einzige Land welches phonetische Schriftzeichen nutzt. Denn im Vergleich zum Chinesischen oder Japanischen, wo man die Aussprache jedes Schriftzeichens separat auswendig lernen muss (ähnlich wie man das im Deutschen für die Nutzung von „der“, „die“, „das“ tun muss) kann man im Koreanischen anhand der Zeichenkonstruktion die Aussprache direkt ableiten. Das kann man sogar als Ausländer relativ schnell erlernen. Man weiß dann zwar immer noch nicht was das Wort bedeutet, aber immerhin kann man es aussprechen. Wenn man die verschiedenen symbolischen Schriftsprachen gegenüberstellt erkennt man auch schnell eine gewisse Systematik:

  • Deutsch:              Mein Name ist Martin.                  Ich wohne in Singapur.
  • Chinesisch:         我的名字是馬丁.                           我住在新加坡.
  • Japanisch:           私の名前はマーティンです.     私はシンガポールに住んでいる.
  • Koreanisch:        내 이름은 마틴.                              내가싱가포르에살고있는.

Und historisch hat das Land sogar einiges mit Deutschland gemeinsam. Bis 1910 waren Nord- und Südkorea ein geeintes Land unter unabhängiger Herrschaft. Doch dann wurde das Land von Japan annektiert, wie auch viele andere Länder (inkl. Singapur) in Asien in dieser Zeit. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 musste sich Japan aus allen übernommenen Ländern zurückziehen und Korea wurde – ähnlich wie Deutschland zur selben Zeit – zwischen den Alliierten aufgeteilt. Russland und China bekamen den Norden und USA und Europa den Süden. Seitdem gibt es zwei Koreas, die aber unter starken ausländischen (politischen) Einflüssen stehen. Und so instrumentalisierten China und Russland 1950 eine großflächige Invasion Südkoreas durch Nordkorea, was zur Auslösung des Koreakrieges führte und fünf Millionen Menschenleben kostete. Bis zum heutigen Tag befinden sich die Länder offiziell im Kriegszustand; seit 1953 gilt allerdings ein (sehr heikler und instabiler) Waffenstillstand. Dieses labile Gleichgewicht macht sich auch in Seoul bemerkbar. Das Militär hat dort eine große Präsenz, vor allem wegen der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt zur Grenze. Von einigen Koreanern wurde mir erzählt, dass sie Deutschland beneiden, da unser Land der Aufspaltung zum Trotze – im Gegensatz zu dem eigenen – mittlerweile friedlich vereint ist und floriert. Die überwältigende Mehrheit der Süd- (und Nord-)Koreaner wünschen sich nichts sehnlicher als eine Wiedervereinigung. Doch diese ist nicht in Sicht. Die Grenze ist komplett abgeriegelt. Man kann nicht einmal Briefe schicken oder anrufen.

Das Thema „Nordkorea“ sprach ich mit meinen südkoreanischen Kollegen generell nur vorsichtig an. Ich fühlte mich so wie wenn man in Deutschland mit Leuten über Hitler sprechen will. Und doch fand ich es schwierig mich zurückzuhalten. Ich wollte wissen ob die nördlichen Nachbarn wirklich so außerirdisch, brutal und mysteriös sind wie sie in den westlichen Medien immer dargestellt werden. Glücklicherweise konnte ich viele meiner Fragen am letzten Tag meines Aufenthaltes selbst beantworten. Den verbrachte ich nämlich im Museum des War Memorial of Korea. Ein riesiger Klotz aus Beton und Stahl, ähnlich dem War Remnants Museum in Vietnam. Ich wünschte ich hätte mich damals in der Schule ebenso sehr für Geschichte begeistern können.

Eine andere Sache die ich als überraschend empfand, war wie schlecht die Bevölkerung Englisch sprechen und verstehen konnte. Klar, Seoul befindet sich in den Tiefen Asiens und nicht in Amerika, aber in den meisten anderen Städten wo ich bisher war ging das ganz gut. Und Südkorea ist ein hochentwickeltes Land mit internationalem Appeal. Aber in Seoul können nicht einmal die Taxifahrer ein bisschen Englisch, sodass ich oft Minuten brauchte, um deutlich zu machen, dass ich eine Quittung brauchte. Ähnlich sah es in Restaurants aus. Aber mit Hand und Fuß kam ich dann schon zurecht.

Für Sightseeing hatte ich letztendlich gar nicht so viel Zeit, da ich unter der Woche morgens bis abends arbeiten musste und eigentlich nur der Samstag frei war. Aber immerhin hatte ich Zeit mit Arbeitskollegen Essen zu gehen. So kam ich in den Genuss von authentischer südkoreanischer Küche. Viel exotisches Gemüse, Tofu, marinierter Fisch und Fleischkreationen. Wie auch in Taiwan wusste ich zwar selten was ich gerade esse, aber es schmeckte immer super. Ein traditionelles Essen besteht meist aus vielen kleinen Gerichten die gleichzeitig serviert werden und vom Stil her große Ähnlichkeiten mit Tapas haben. Aber die Geschmäcker sind intensiver und ungewohnter. Schwer zu beschreiben. Jeder Teller hat das Ziel ein bestimmtes Aroma hervorzuheben. Dadurch unterscheiden sich die Gerichte wie Tag und Nacht. Eine Geschmacksexplosion nach der anderen. Und damit man die jeweiligen Geschmäcker in ihrer Reinheit voll genießen kann werden die Geschmacksnerven zwischendurch immer wieder mit Kimchi (fermentierter Chinakohl mit Chilipulver) „gereinigt“.  Das Fleisch ist auch geschmacksstark und wird oft direkt am Tisch gegrillt. Dazu gibt es immer eine klare Suppe und Reis, der deutlich klebriger ist als der chinesische. Insgesamt eine sehr leckere Erfahrung!

An Samstag erkundete ich dann auf eigene Faust die Stadt. Es gab viel zu viel zu sehen und ich konnte leider nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten besuchen. Aber ich nahm mir Zeit die Atmosphäre aufzusaugen und die Kultur kennenzulernen. Vor Sonnenuntergang absolvierte ich einen 5km-Marsch zur Spitze des „Namsam“, ein Berg mitten in der Stadt auf dem ein Fernsehturm steht. Von dort aus konnte ich kilometerweit in alle Richtungen schauen und den Sonnenuntergang genießen. Schön war zudem, dass ich tagsüber zwei Schweizerinnen kennengelernt hatte und wir gemeinsam die Stadt unsicher machen konnten. Und so hatte ich abends nette Gesellschaft mit der ich das eine oder andere (koreanische) Bierchen trinken konnte, um den Aufenthalt in Korea entspannt ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag ging es nach dem Museumsbesuch dann auch schon recht früh zurück nach Singapur. Die Flugzeit beträgt nämlich über fünf Stunden und mir war anfänglich gar nicht klar wie weit nordöstlich das Land eigentlich liegt. Immerhin, vom Seoul Incheon International Airport braucht man nur 1,5 Stunden nach Schanghai oder Peking und 2 Stunden nach Tokyo. So schnell werde ich also vermutlich nicht wiederkommen. Und doch würde ich das gerne, denn Südkorea ist ein faszinierendes Land indem es noch viel zu entdecken gibt.

Perth, Australien

Anfang Mai stand ein langes Wochenende an das ich mir reisetechnisch nicht entgehen lassen wollte. So plante ich kurzerhand einen Abstecher nach Australien, um eine Freundin zu besuchen die ich 2008 in Kanada während meines Auslandssemesters kennengelernt hatte. Obwohl Australien ein riesiges Land ist und man von Singapur aus knapp acht Stunden bis nach Sydney braucht sieht es auf der Westküste schon anders aus. So dauerte der Flug nach Perth „nur“ viereinhalb Stunden.

Ich weiß zwar nicht genau was ich erwartet hatte, aber ich war etwas überrascht darüber, dass ich nicht überrascht war. Irgendwie sah alles aus wie in England (was ja eigentlich nicht verwunderlich sein sollte), bloß am Meer an einem tollen Sommertag. Ich war schockiert darüber wie wenig asiatische Einflüsse zu erkennen waren, trotz der Lage am Rande von Südasien. Selbst in den USA begegneten mir mehr asiatische Menschen, Architektur, Kultur, und Restaurants. Das soll nicht heißen, dass mir Perth nicht gefallen hat, ganz im Gegenteil, doch es war anfänglich etwas unerwartet.

Meinen Kurzurlaub verbrachte ich mit Sightseeing, Essen, Quatschen, Laufen, und einer Weinprobe. Alles sehr entspannt, wie auch Perth selbst. Nicht umsonst ist die Stadt regelmäßig in den Top 10 der „most livable cities in the world“. Das Leben schien für die meisten Menschen entschleunigt und friedlich vonstatten zu gehen. (Den horrenden Preisen zu trotz, denn hier zahlte ich mit knapp 8 Euro sogar etwas mehr für ein Bier als in Singapur) Perth erinnerte mich etwas an Raleigh; eine Stadt wo man sich vorstellen könnte ein kleines Haus mit Garten zu besitzen und Kinder großzuziehen. Die drei Tage waren allerdings dann auch genug, um das Wesentliche zu sehen.