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Ernst & Young Consulting Case Competition

Vor zwei Wochen habe ich an einem einmaligen Event teilgenommen, nämlich einem Fallstudienwettbewerb mit Fokus auf Unternehmensberatung und Supply Chain Management. Dieser Wettbewerb wurde von Ernst & Young landesweit ausgeschrieben und richtete sich speziell an MBA-Studenten an Top Business Schools. Also habe ich mir sorgfältig drei motivierte Kommilitonen  gesucht die gewillt waren eine Woche lang ihr normales Leben aufzugeben und nur für die den Case zu leben.

Sonntagmorgen vor zwei Wochen wurde der Fall elektronisch freigegeben und wir fingen sofort an. Wir bekamen vier Seiten Text und ein paar Tabellen mit Finanzkennzahlen. Es ging um einen globalen Getränkehersteller (ca. $5 Mrd. Umsatz) der jegliche Form von Getränken produziert und vertreibt. Von Saft und Wasser über Bier und Wodka war alles dabei. Die Firma ist in der Vergangenheit massiv durch Akquisitionen gewachsen und hat dadurch viele redundante Produktions- und Lagerstandorte mitgeerbt. Das hat langfristig die Distributionskosten massiv  in die Höhe getrieben und die Profitabilität gebremst. Unsere Aufgabenstellung war es innerhalb von fünf Tagen ein Sanierungskonzept zu erarbeiten welches die Unternehmensschieflage innerhalb von 10 Monaten maßgeblich verbessern würde. Dieser Plan sollte detailliert beschrieben werden, inklusive Kostenaufstellungen und Implementierungsplan. Das Ganze sollte in eine Powerpoint-Präsentation gepackt werden die sich problemlos in 15 Minuten Präsentieren lässt.

Da wir alle Supply Chain Management als Studienschwerpunkt haben fanden wir das Thema super. Den gesamten Sonntag haben wir mit Brainstorming und Analyse verbracht. Als die groben Lösungen feststanden ging am Montag die echte Arbeit los. Wir saßen vier Tage lange von 8 bis 21 Uhr in einem stickigen Konferenzzimmer an der Uni. Kaum zu glauben, dass wir über 50 Stunden an nur 10 Slides gesessen haben. Aber bei nur 15min Präsentation musste jedes Wort sitzen und jede Grafik auf den Pixel genau ausgerichtet sein.

Die eigentliche Präsentation fand am Freitag darauf an der Notre Dame University in South Bend, Indiana (ca. 2 Autostunden von Chicago) statt. Also sind wir Donnerstagabend nach Chicago geflogen. Da unser Flug knapp vier Stunden Verspätung hatte musste wir unsere Präsentation am Flughafen üben und finalisieren. Alles drumherum war uns egal und wir übten vor allen anderen Fluggästen am Gate. Wir kamen erst gegen 1 Uhr morgens im Hotel in Chicago an. Von dort ging es am nächsten Morgen in einem Mietwagen zwei Stunden westlich nach Indiana. In diesem Staat gibt es übrigens so gut wie nichts. Das Land ist flach, die Autobahnen sind leer und es ist üblich, dass Lastwagen bis zu drei Anhänger haben (siehe Bilder).


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Die Uni selbst ist wunderschön. Der Campus ist groß (es gibt ja genug Platz) und die Gebäude sehen sehr mittelalterlich aus, mit Zinnen und kleinen Türmchen. Zudem befindet sich – typisch amerikanisch – mitten auf dem Campus ein riesiges Footballstadion wo nach der Präsentation die Preisverleihung stattfand.

Nach der Ankunft hatten wir erst einmal eine Stunde Zeit durchzuatmen und zu üben bevor wir an der Reihe waren. Es gab neben uns noch zwölf weitere Teams. Die Jury bestand aus fünfzehn Partnern von Ernst & Young und zwei Dozenten von Notre Dame. Unsere Präsentation lief gut und wurde gut angenommen. Die Fragen konnte alle zufriedenstellend beantwortet und wir waren daher sehr stolz am Ende auf dem vierten Platz zu landen. Zudem konnten wir viele Top-Unis in die Schranken weisen! Hier das finale Ranking, plus die nationalen MBA-Rankings als Vergleich:

  1. Indiana University: Kelley School of Business, Team 1 (US News MBA Ranking #23)
  2. University of Chicago: Booth School of Business, Team 1 (#4)
  3. Purdue University: Krannert School of Management (#42)
  4. Rutgers University: Rutgers Business School (#63)
  5. University of Chicago: Booth School of Business, Team 2 (#4)
  6. University of Chicago: Booth School of Business, Team 3 (#4)
  7. University of Chicago: Booth School of Business, Team 4 (#4)
  8. Michigan State University: Broad College of Business (#44)
  9. Indiana University: Kelley School of Business, Team 2 (#23)
  10. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 1 (#25)
  11. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 2 (#25)
  12. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 3 (#25)
  13. University of Notre Dame: Mendoza College of Business, Team 4 (#25)

Chicago

Vor einigen Wochen hatte ich relativ spontan entschlossen für ein paar nach Chicago zu fliegen und die Freizeit zu genießen bevor mein Praktikum am 30. Mai beginnt. Schön war, dass Johannes mich begleitet hat. So konnten wir die BiTS-Zeiten wieder etwas aufleben lassen. Der Hinflug lief – bis auf die $25 Gebühr die pro eingechecktem Koffer anfällt – problemlos, sowie auch die Ubahn-Fahrt zum Hotel.


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Dank Priceline.com hatten wir mal wieder ein gutes Angebot gefunden und hatten für $80/Nacht (also $40 pro Person) ein Hotel in bester Lage, ein supe Zimmer, Schwimmbad und Fitness Center. Nur das Frühstück ist durch den Test gefallen. Nur Abgepacktes und im Prinzip keine Auswahl.

Downtown Chicago sieht so aus wie jede andere amerikansiche Großstadt und ich muss sagen, dass sie mir nicht wirklich gut gefallen hat. Sie war sehr konturlos und trist. Keine Grünflächen wie in New York, keinen attraktiven Strand wie in Miami und keinen europäischen Flair wie in Boston. Es war aber dennoch sehr interessant. Schön war der Blick aufs Wasser, denn Chicago liegt am südlichen Ende des Lake Michigan, einer der größten Seen Amerikas. Das andere Ufer ist 190km entfernt und Richtung Norden könnte man fast 500km weit schwimmen, wow! Hätte im Prinzip auch ein Meer sein können. Das Wetter war auch sehr strandmäßig, was unerwartet war, denn Chicago ist eigentlich als „Windy City“ bekannt. Nebel, Regen und viel Wind sagte die Wettervorhersage. Wir hingegen hatten jeden Tag knapp 30°C und strahlenden Sonnenschein. Das haben wir ausgenutzt und sind viel rumgelaufen. Downtown ist gut laufbar, auch wenn es nicht viel zu sehen gibt. Direkt am Hotel ist der Millennium Park wo die berühmte „Silver Bean“ steht: Ein riesiges spiegelndes Kunstwerk in Form einer Bohne. Auch wenn es nur ein verzerrter Spiegel war, war es schon beeindruckend.

In Downtown haben wir nicht viel gemacht außer rumzulaufen und zu essen. Das Gericht wofür Chicago bekannt ist, is die „Deep Dish Pizza“, im Prinzip ein Pizza-Kuchen mit ganz viel Tomatensoße und Käsefüllung. Eine kleine Pizza langt locker für zwei Personen. Wir dennoch mutig eine „Large“ bestellt (da die gerade 50% reduziert war) und mussten dafür dann über ein Drittel einpacken lassen. Um einen besseren Blick auf die Skyline zu bekommen sind wir dann noch auf den (96. Stock des) Hancock Tower gefahren. Von dort aus konnte man auch den Willis Tower sehen, das mit 527m (zur Zeit) höchste Gebäude der USA. Ganze 84m höher als das Empire State Building!

Wer in Chicago ist darf auf keinen Fall den Besuch in einer Jazz/Blues Bar auslassen. So waren wir (auf Lenas Empfehlung!) im „Green Mill Jazz Club“, wo wir uns für $6 Alfonso Ponticello und seine Swing-Band angehört haben. Richtige Mafia-Musik aus den 1930’er Jahren!! Hat gut zur Szenerie gepasst, denn der Laden wirkte mit viel Holz und der Bar auch wie ein Mafia-Schuppen. Kein Zufall, dass der Club früher mal dem Gangster Al Capone gehört hat! Ich habe eine kurze Aufnahme gemacht die ihr euch HIER anhören könnt.

Da Downtown sonst nicht allzu viel zu bieten hatten sind wir mit der Ubahn auch mal etwas rausgefahren und haben uns zwei der Unis dort angeschaut. Die UIC (University of Illinois at Chicago) und die Northwestern University mit der Kellogg School of Management. Die UIC war wenig spannend, aber die Northwestern war schon schön. Mit Lage am Wasser und großen Parks (und natürlich einem top Ranking!) liegt sie fast eine Stunde nördlich von Chicago in einer Vorort-Gegend die voll mit Studenten ist. Viele kleine Läden, unter anderem ein Buchladen (mit viel – auch sehr aktueller – Auswahl) der Bücher nach Gewicht verkauft hat! Und zwar für $3,99 pro Pound, d.h. ca €6,20 pro Kilo. Und so ein Taschenbuch wiegt ja nix. Also habe ich mir vier Krimis für nur $4.14 gekauft, wahnsinn! Es gab nebenbei auch viele DVDs und PC-Spiele, für $19,90 pro Pound (€30,99/kg). Wenn ich mehr Zeit und Muse gehabt hätte, hätte ich den Koffer vollgepackt und bei Amazon gutes Geld verdient! Aber auch ohne Buchladen war die Gegend schön und hat mein Eindruck von Chicago deutlich verbessert. Wenn ich da also mal länger sein sollte würde ich einen Vorort vorziehen.

Wir waren insgesamt drei Nächte da, haben viel gequatscht, viel gesehen und sind sehr viel gelaufen. Keine Stadt in der ich längerfristig leben wollte, aber dennoch auf jeden Fall eine Reise wert! Und zudem ein angenehmer Abschluss des Semesters.