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US-Führerschein² – Happy End im zweiten Versuch

Vor sechs Wochen hatte ich von meiner Odysee beim Department of Motor Vehicles (DMV) berichtet. Leider war den Beamten am Schalter damals mein Visum zu knapp vor dem Auslaufdatum. Heute morgen habe ich mit frisch verlängertem Visum dann den zweiten Versuch gestartet.

Schritt #1: Um Punkt 8 Uhr als das DMV öffnet war ich da und schon zu der Uhrzeit standen fast 100 Leute in einer Schlange um den Block vor dem Gebäude (das so aussah wie ein Gefängnis und in einer sehr heruntergekommenen Gegend war). Ich war so ziemlich der einzige Mensch der nicht mexikanischem oder afroamerikanischem Ursprung war. Auch schienen die meisten nur Spanish zu können. Trotz langer Schlange ging es aber dann doch recht flott und in 30min war ich im Gebäude am ersten Schalter.

Schritt #2: Dort wollte die unfreundliche Dame meinen Pass sehen, hörte sich mit angeekeltem Blick mein Anliegen an und drückte mir zwei identische Formulare in die Hand. Beide sollte ich ausfüllen und mich dann bei „Station A“ einreihen. Zum Glück hatte ich einen Stift dabei, denn das DMV stellt keine bereit. Mein Stift haben sich dann gefühlte 20 Leute noch ausgeliehen weil sie selbst keinen mitgebracht hatten.

Schritt #3: Die Schlange an der Station A war wieder recht lang und ich durfte weitere 30min anstehen. Vorne angekommen musste ich sechs „I.D.-Punkte“ vorzeigen, um sicherzustellen, dass ich legal im Land bin und tatsächlich in New Jersey wohne. Staatliche Dokumente bringen mehr Punkte, Bank Statements weniger. In Summe braucht man sechs Punkte. Ich hatte mich gut vorbereitet und acht Punkte mitgebracht, u.a. Pass inkl. Visumsdokument DS-2019, Bank Statement und EC-Karte, Mietvertrag, Uni-Zeugnis samt Studentenausweis und Brief vom Social Security Office (siehe Teil 2 meines letzten Beitrags). Das hat der Dame dann auch gelangt und sie hat mich in Zimmer 9 geschickt.

Schritt #4: Dort ging es an den nächsten Schalter wo meine sechs I.D.-Punkte vorlegen musste. Im Anschluss habe ich die vielversprechende Wartenummer 24 erhalten . Es folgten weitere 20min Wartzeit. Zum Glück hatte ich ein Buch dabei.

Schritt #5: Als meine Nummer aufgerufen wurde ging es zur Schlange am Schalter 7. Dort musste ich ein weiteres mal meine IDs vorlegen, musste $10 für den Theorietest zahlen und ein Verbrecherfoto von mir schießen lassen. Dann bekam ich neues Formular mit dem ich in Zimmer 3 geschickt wurde.

Schritt #6: Nach 10min warten wurde ich reingerufen, habe wieder alles vorgelegt und gewartet. Dann musste ich einen kurzen Sehtest machen (Buchstaben und Farben an der Wand erkennen) und meinen deutschen Führerschein vorzeigen. Dort gab es dann auch direkt ein Problem, denn der Beamte wollte den Ausweis nicht anerkennen, da er kein Ablaufdatum hat. Meinem Kommentar, dass deutsche Führerscheine kein Ablaufdatum haben, glaubte er nicht.

Schritt #7: Von hinter einer Trennwand kam dann ein Vorgesetzter mit Donut und Kaffee in der Hand hervor, schaute sich alles an und meinte das passt so. Ich durfte einen weiteren Wisch unterschreiben und mich am 2. Schalter in Raum 3 anstellen.

Schritt #8: Dort bekam ich einen Stempel, wurde um die Ecke geführt und durfte an Computer 7 Platz nehmen und den Theorietest machen.

Schritt #9: Der Test besteht aus 50 Fragen, wovon 40 richtig sein müssen, um zu bestehen. Jede Frage wird nach dem Beantworten direkt bewertet. Sobald man entweder 40 Fragen richtig oder 10 falsch hat endet der Test. Das ist schon ein Nervenkitzel wenn die Anzahl an falschen Fragen stetig steigt. Die Praxisfragen waren ein Kinderspiel, die rechtlichen Fragen jedoch unmöglich, à la „Was ist die Höchststrafe für…Fahren ohne Führerschein/Fahrzeugpapiere/Versicherungskarte…Alkohol am Steuer…Alkohol am Steuer ohne Führerschein…Alkohol am Steuer ohne Versicherungskarte..?“ und unzählige andere Kombinationen. Da habe ich dann auch die meisten Fehler gemacht, bin aber mit nur vier Fehlern durch den Test gekommen.

Schritt #10: Nach dem Test ging es zurück an Schalter 2 wo die Dame mein Ergebnis kontrolliert hat, mir „passed“ auf einen der vielen Zettel gekritzelt hat und mich wieder zu Schalter 1 geschickt hat.

Schritt #11: Hier durfte ich wieder Pass und Führerschein vorlegen, musste erneut unterschreiben und bekam einen silbernen Aufkleber auf ein Papier.

Schritt #12: Damit ging es dann wieder zurück zu Schalter 7. Dort hab ich alle Zettel abgegeben und erneut ein (noch schlechteres) Foto schießen lassen, obwohl ich das vor 30min schon mal gemacht hatte… Dann durfte ich $9,75 für den Ausweis zahlen und habe ihn frisch und heiß aus dem Laminiergerät in die Hand gedrückt bekommen. Triumph!

Schritt #13: Raus aus dem Gebäude und freuen! Mein Ausweis ist nun (leider nur) bis März 2012 gültig und kann als „government issued ID“ genutzt werden. Vorbei die Zeiten wo ich beim Ausgehen meinen Pass mit mir rumschleppen muss!

New Jersey Auto Driver License
New Jersey Auto Driver License

US-Führerschein – Tragödie in (hoffentlich) vier Teilen

Mein deutscher Führerschein ist nach 60 Tagen hier in den USA abgelaufen und wie der internationale Führerschein funktioniert ist mir noch nicht ganz klar (obwohl ich einen habe), also habe ich mich die letzen Monate bemüht den New Jersey Driving License zu bekommen. Die Reise dahin war lang und ist leider noch nicht zu Ende. Glücklicherweise hatte ich Lena an meiner Seite. Hier mein aktueller Stand…

Teil 1 – Rutgers Office of International Student Services:

Der erste Schritt war ein Schreiben des International Offices welches bestätigt, dass ich Student der Rutgers University und legaler internationaler Student bin. Als ich das Schreiben beantragt habe wurde mir gesagt: „In spätestens zwei Tagen ist es fertig. Wir melden uns.“ Und was war? Nix natürlich. Zwei Wochen (!) später bin ich dann nochmal vorbei gegangen (auf E-Mails wird grundsätzlich nicht reagiert) und habe die Antwort bekommen: „Nein, das Schreiben ist noch nicht fertig, wir haben diese Woche viel zu tun.“ Warum sie nicht schon letzte Woche wie versprochen angefangen haben habe ich mir verkniffen. Aber tatsächlich habe ich dann einen Tag darauf das Schreiben erhalten.

 

Teil 2 – U.S. Social Security Administration:

So ärgerlich wie der erste Schritt schon war, die Unibehörden sind nichts im Vergleich zu den Staatsbehörden. Wir haben ein Schreiben gebraucht welches bescheinigt, dass wir keine Social Security Number bekommen weil wir Austauschstudenten sind. Das ist wichtig, da die Führerscheinstelle die Nummer zwingend voraussetzt und dies der einzige Weg ist dem zu entfliehen. Wir sind vor ein paar Wochen schon morgens früh zur Behörde gelaufen (ca. 25min vom Wohnheim) und mussten dennoch eine knappe halbe Stunde bei null Grad im Freien warten, nur um Innen alle Metallgegenstände (inkl. Schuhe, Gürtel) abzugeben und einen Flughafen-ähnlichen Security-Check zu durchlaufen.

Wir hatten stundenlange Warterei erwartet, wurden aber nach 30min schon aufgerufen. Auch der Prozess lief reibungslos, auch wenn Lena und ich beide unterschiedliche Aussagen und Schreiben erhalten haben. Letztendlich haben wir aber alles bekommen.

 

Teil 3 – Department of Motor Vehicles (Versuch #1):

Jetzt waren alle Vorbereitungen getroffen (dachten wir zumindest) und wir haben uns auf den eigentlichen Besuch der Führerscheinstelle vorbereitet. Als Besitzer eines deutschen Führerscheins muss man in New Jersey nur den Theorietest nachholen. Dieser kostet um die $15 und kann so oft wiederholt werden wie man möchte. Also ein Witz im Vergleich zu Deutschland. Die Fragen sind aber ähnlich schwierig und wir haben etliche Probetests gemacht um uns vorzubereiten. Dann haben wir sämtliche ausweisenden Unterlagen gesammelt und sind heute morgen um 7 Uhr nach Jersey City zum Department of Motor Vehicles (DMV) gefahren. Das Newark DMV haben wir absichtlich vermieden da wir nur Negatives diesbzüglich gehört hatten. Nachdem wir auch hier 20min in der Kälte – diesmal aber auch noch mit Regen – standen konnten wir 10min NACH offizieller Öffnungszeit eintreten, nur um gesagt zu bekommen, dass wir am falschen Ort sind. „Ja, Driver Testing gibts hier, aber nur für U.S. Staatsbürger. „Aliens“ müssen hier hin“ sagte sie und zeigte auf ein Blatt mit einer Adresse. Das andere DMV war nochmal 45min entfernt und mit dem Bus glücklicherweise halbwegs gut zu erreichen.

Zu dem Zeitpunkt waren wir schon ziemlich gefrustet. Es wurde aber nur noch schlimmer. Beim zweiten DMV war die Hölle los (es war mittlerweile über eine Stunde nach Öffnung) und überall waren widersprüchliche Poster und Pfeile angebracht. Und wir schienen außerdem die Einzigen Nicht-Mexikaner zu sein. Der erste Schritt war eine Schlange die etwa 30 Menschen lang war und zu einem Schalter geführt hat wo man sich ausweisen musste. Und dort endete unsere Reise auch schon. Wir konnten nicht weitermachen da unser Visum keine 60 Tage mehr gültig ist und das anscheinend aus irgendeinem Grund wichtig ist. Warum? „Weil das so ist.“ Da Lena nur ein Jahr in den Staaten ist kann sie ihr Visum nicht verlängern, ergo also auch keinen Führerschein beantragen. Der deutsche Führerschein ist aber abgelaufen. Wie also dann fahren? Diese Frage konnte die Dame uns auch nicht beantworten. Lena hat nach dem Vorgesetzten gefragt, nur diese (wie eine Putzfrau-aussehende) Dame war noch weniger hilfreich und sagte: „Nun gut, dann fahren Sie eben gar nicht.“ Das war dann das Ende unseres Ausflugs und diese fünf Stunden unseres Lebens kriegen wir nie mehr zurück… Ich hoffe ich habe mehr Glück nachdem ich mein Visum verlängert habe.

Lena angepisst beim DMV
Lena angepisst beim DMV