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Meilenstein: Zwei Jahre USA

Heute vor genau zwei Jahren bin ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen. Um 11:20 Uhr startete meine Reise Richtung ungewiss.

13. August 2010: Einchecken in Frankfurt
13. August 2010: Einchecken in Frankfurt

Ich wusste damals schon, dass dies unvergessliche zwei Jahre werden wuerden. Aber, wie eindrucksvoll sie dann wirklich geworden sind, haette ich nie getrauemt. Dies habe ich hauptsaechlich der Fulbright Kommission (inkl. der Eventorganisation One-to-World), der Rutgers University und meiner Freundin Mandy zu verdanken. Sie alle haben mir etliche Tueren zu Erfahrungen geoeffnet, von dessen Existenz ich vor 2010 noch nicht einmal ahnte.

Ich habe mich in meiner Zeit hier ziemlich veraendert und weiterentwickelt, aber es ist schwer auseinander zu halten was davon auch gleichermassen in Deutschland als Teil des „Erwachsenwerdens“ passiert waere. Hier jedoch eine kleine selbstgestrickte Analyse, von dessen Kausalzusammenhaengen ich zumindest teilweise ueberzeugt bin.

  • Selbstbewusstsein: Ich habe gelernt standfester zu meiner Meinung zu stehen und diese auch auszusprechen. Ich habe weniger Probleme fremde Leute anzusprechen und auch mal Kritik zu aeussern. Die Grenze zwischen Arroganz und Selbstbewusstsein ist nun klarer ersichtlich und ich kann mich wahrheitsgetreuer selbst darstellen ohne tiefzustapeln oder ueberheblich zu wirken. Amerikaner sind generell unverbluemter was den „Verkauf“ ihrer eigenen Erfahrungen angeht. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und Leistungen werden oft in Verkaufsargumente umgewandelt. Dies vermischt mit der deutschen Zurueckhaltung ergibt eine gesunde Mischung die ich mir zu eigen gemacht habe.
  • Weltoffenheit und -erfahrung: Man sagt Amerikaner seinen unwissend was andere Laender und Kulturen angeht. Meine Zeit hier hat mir klar gemacht, dass dies nur bedingt stimmt. Ja, oft ist eine gewisse Ignoranz da, dafuer verfuegen sie (oft ohne es zu wissen) ueber Einsichten in lateinamerikanische, ostasiatische und westasiatische Kulturen. Und das im Zusatz zu ihrer eigenen Kultur, die durch die Groesse des Landes recht komplex ist. Die USA sind so vielfaeltig, dass das Fremde normal ist. Selten habe ich so viel ueber die Welt erfahren wie in den letzten zwei Jahren. Denn Deutschland ist sehr homogen, auch wenn man es nicht wahrhaben will. Ich kannte vor zwei Jahren keinen Afroamerikaner oder Chinesen, hatte keinen Kontakt zu Muslimen oder Juden und konnte die meisten Laender nicht einmal auf der Landkarte finden. Erst hier habe ich gelernt, dass Deutschland nicht das Zentrum der Welt ist. Die wenigstens Amerikaner hassen Deutschland, aber genauso wenige lieben es. Es interessiert sie einfach nicht. Es ist ein Land wie jedes andere und ALLE andere Kulturen haben dieselbe Daseinsberechtigung wie die unsere. Gleichzeitig war ich noch nie so stolz Deutscher zu sein. Es ist wirklich wie mit Strom: Man schaetzt ihn erst richtig wenn er ausfaellt. Und so gilt fuer mich: „Sein Land lernt man erst richtig kennen wenn man es vom Ausland aus betrachtet!“
  • Selbststaendigkeit: Ebenfalls eine sehr amerikanische Eigenschaft. Autobesitz, Recht zum Besitz einer Waffe, keine verpflichtende Krankenversicherung. Das alles sind Resultate dieser Einstellung. Jeder ist fuer sein eigenes Wohl verantwortlich. Ich habe gelernt Sachen selbst in die Hand zu nehmen und auch grosse Entscheidungen selbst zu treffen. Natuerlich beziehe ich weiterhin Hilfe und hole mir Ratschlaege ein, aber die Entscheidung faelle ich, und das mit Ueberzeugung. Zudem ist mir folgendes verstaerkt klar geworden: „Du – und nur du selbst – bist fuer dein eigenes Leben und dessen Entwicklung verantwortlich. Im Guten wie im Schlechten.“ Klingt banal, aber diese Einsicht war sehr wichtig fuer mich. Sie legt den Grundstein fuer meine Entscheidungen in Bezug auf Karriere, Wohnort und Privatleben.

Ich freue mich auf dreizehn weitere ereignisreiche Monate in Amerika und bedanke mich fuer zwei wundervolle Jahre! Danke an meine Familie und Freunde in Deutschland. Das Fortleben (und in manchen Faellen sogar die Verstaerkung) unserer Freundschaften in den letzten Jahren hebt dessen Staerke hervor. Danke auch an meine Freunde in Amerika. Nur dank euch fuehle ich mich hier so wohl wie ich es heute tue. Ich hoffe auch unsere Freundschaften bleiben lange erhalten.

Streichen für einen guten Zweck

Letzten Samstag haben Mandy und ich (mal wieder) etwas Neues unternommen. Und zwar haben wir uns ehrenamtlich betätigt und in Kooperation mit One-to-World (der Fulbright-Tochter) einen Teil einer Schule gestrichen. Die „George Washington High School“ im Norden von Manhattan um genau zu sein.


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In Kooperation mit Publicolor, einer Non-Profit-Organisation die kostenlos bedürftige öffentliche Einrichtungen streicht und gleichzeitig Kindern das Malerhandwerk näher bringt, waren wir den halben Tag beschäftigt. In alten Klamotten sind wir morgens früh losgezogen und Nachmittags wieder zurückgekehrt.

Die ca. 20 Helfer wurden mit Kindern der Schule gepaart, die ebenfalls freiwillig da waren. Angeleitet wurden wir von Nadia und einigen weiteren Publicolor-Helfern. Die Schule sollte innen über einen Zeitraum von zwei Monaten (jeweils einen Tag die Woche) gestrichen werden. Wir waren in Woche 2 und wurden primär mit Abkleben und Grundieren beschäftigt. Ich speziell hatte mich für „Leiterdienst“ gemeldet und hab die meiste Zeit mit Kleben und Pinseln unter der Decke verbracht.

Es war ein wildes Getümmel mit dutzenden Helfern, lauter Radiomusik, viel Mitgesinge, getanze und (natürlich auch) gestreiche. Neben körperlicher Betätigung (den halben Tag die Arme oben halten ist nicht einfach) hat das Ganze auch noch viel Spaß gemacht. Und anschließend gab es noch Pizza für alle! Ein schöner Tag.