{"id":400,"date":"2011-03-10T05:00:41","date_gmt":"2011-03-10T03:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/martin-esser.eu\/blog\/?p=400"},"modified":"2011-03-18T17:20:07","modified_gmt":"2011-03-18T15:20:07","slug":"praktikumssuche-in-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/martin-esser.eu\/blog\/2011\/03\/praktikumssuche-in-den-usa\/","title":{"rendered":"Praktikumssuche in den USA"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte euch etwas Einsicht in das amerikanische Arbeitssystem geben, speziell was Praktika angeht. Die folgende Punkte sind mir vorallem im Vergleich zu Deutschland aufgefallen:<\/p>\n<ol>\n<li>Praktika sind in den USA fast immer feste Stellen mit Jobbeschreibung, festem Zeitrahmen und konkreten Aufgabenstellungen. Jede gro\u00dfe Firma hat eine eigene Webseite mit Angeboten f\u00fcr MBA-Studenten. Blindbewerbungen sind un\u00fcblich und werden in 99% der F\u00e4lle abgelehnt.<\/li>\n<li>Es handelt sich im Prinzip um &#8220;Festanstellung auf Probe&#8221;.\u00a0Die Stellenbezeichnung ist in der Regel mit der Festanstellung identisch au\u00dfer, dass das Wort &#8220;Summer&#8221; vorgeschoben wird. So werden bei den Beratungen aus &#8220;Associates&#8221; f\u00fcr Praktika &#8220;Summer Associates&#8221;.<\/li>\n<li>Die Praktika finden fast ausschlie\u00dflich im Sommer in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Juni und September statt.<\/li>\n<li>Es wird zwischen &#8220;Undergraduate&#8221;- und &#8220;Graduate&#8221;-Praktika unterschieden. Letztere &#8211; vor allem aber MBA Praktika &#8211; sind deutlich exklusiver, arbeitsintensiver und bringen mehr Verantwortung mit sich. Es geht um konkrete\u00a0Problemstellungen\u00a0und es wird die Erarbeitung spezifischer Empfehlungen erwartet. Die Projekte enden fast immer mit einer Pr\u00e4sentation an den Vorstand, auch bei Gro\u00dfkonzernen. Die Bezahlung ist daher auch entsprechend hoheitlich. Stundenl\u00f6hne zwischen 30 und 50 Dollar (22-36 Euro) sind \u00fcblich. Das macht bei einer 40h-Woche bis zu $8.000 im Monat. Holla!<\/li>\n<li>Der Bewerbungsprozess ist lang und Stellen sind hei\u00df umk\u00e4mpft. \u00dcber 100 Bewerber auf eine Stelle sind keine Seltenheit. Entsprechend wird durch mindestens 2 Interviewtage (mit jeweils 2-6 Interviews) ausgesiebt.<\/li>\n<li>MBA-Praktika enden fast immer in einer Festanstellung. In der Regel streckt der Vorstand nach der Projektpr\u00e4sentation den Daumen hoch oder runter. Daher auch der pedantische Selektionsprozess.<\/li>\n<li>Punkt #6 ist leider auch Grund f\u00fcr die Tatsache, dass internationale Studenten in der Regel in die R\u00f6hre schauen. 99% aller Ausschreibungen enden mit dem Satz: &#8220;U.S. Citizen, U.S. National or Permanent U.S. Residents Only&#8221;! Das liegt daran, dass ich nach Abschluss meines Studiums nach Deutschland zur\u00fcckkehren muss. Ich darf jedoch ganz legal ein (bis zu) einj\u00e4hriges, bezahltes Praktikum absolvieren.<\/li>\n<li>Die &#8220;gleichberechtigende&#8221; Variante ist auf der Bewerbungsseite eine der beiden Fragen beantworten zu m\u00fcssen:\u00a0<em>&#8220;Are you &#8211; now and at any time in the future &#8211; legally authorized to work in the United States?&#8221;<\/em> oder <em>&#8220;Will you now or in the future require us to file a petition or application for employment-based visa status on your behalf to begin or continue employment with our company?&#8221;<\/em>. Ich habe das Gef\u00fchl, dass sobald man &#8220;Yes&#8221; anklickt die Bewerbung automatisch in den Papierkorb weitergeleitet wird.<\/li>\n<li>Das heisst: Trotzdem bewerben (da es keine Alternativen gibt) und hoffen, dass sie einen trotzdem haben wollen. Bisher ging diese Strategie aber nicht auf.<\/li>\n<li>Das bringt mich auf den n\u00e4chsten Punkt: Ablehnungsschreiben werden als unwichtig eingestuft. In der Regel ist &#8220;keine Antwort&#8221; ein &#8220;Nein&#8221;. Dazu kommt, dass die inoffizielle &#8220;nach 2 Wochen kann ich nachfragen&#8221;-First in den Staaten nicht existiert und Gro\u00dfkonzerne daf\u00fcr bekannt sind erst Wochen oder Monate sp\u00e4ter (wenn \u00fcberhaupt) zu reagieren. Ich habe Ende Januar 15 Bewerbungen abgeschickt. Bis heute habe ich nur vier Reaktionen (alles Absagen) erhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie ihr vielleicht raush\u00f6ren k\u00f6nnt frustet die Praktikumssuche mich hier sehr. In Deutschland w\u00e4re ich mit f\u00fcnf absolvierten Praktika ein interessanter Kandiat. Hier werde ich nicht mal zum Interview geladen. Sogar die &#8220;Ich bin Fulbright-Stipendiat&#8221;-Nummer zieht nicht. Ich habe das Gef\u00fchl ich k\u00f6nnte genauso gut nackt mit einem Schild &#8220;Hire Me!&#8221;\u00a0vor dem Firmensitz\u00a0rumrennen und w\u00fcrde immer noch keine Reaktion bekommen&#8230;\u00a0Aus genannten Gr\u00fcnden bewerbe ich mich parallel auch in Deutschland auf Praktikumsstellen. (Und das mit wesentlich mehr Erfolg!) Ich halte auch auf dem Laufenden.<\/p>\n<p>Meine USA-Gesamtbilanz aus\u00a0Anfragen bei 35 Unternehmen:<\/p>\n<ul>\n<li>9x &#8220;Wir stellen (momentan) keine Praktikanten ein&#8221;,<\/li>\n<li>7x &#8220;Wir stellen keine internationale Studenten ein&#8221;,<\/li>\n<li>15x Bewerbungen,<\/li>\n<li>2x Absagen,<\/li>\n<li>1x &#8220;Die Stelle ist schon besetzt worden. Aber melden Sie sich nach Studienabschluss nochmal&#8221;,<\/li>\n<li>1x Telefoninterview mit anschlie\u00dfender Absage,<\/li>\n<li>16x keine Reaktion.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte euch etwas Einsicht in das amerikanische Arbeitssystem geben, speziell was Praktika angeht. Die folgende Punkte sind mir vorallem im Vergleich zu Deutschland aufgefallen: Praktika sind in den USA fast immer feste Stellen mit Jobbeschreibung, festem Zeitrahmen und konkreten Aufgabenstellungen. Jede gro\u00dfe Firma hat eine eigene Webseite mit Angeboten f\u00fcr MBA-Studenten. 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