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Bei Lena in München

Letztes Wochenende habe ich das getan was ich bereits vor einigen Monaten versprochen (oder “angedroht”, je nach Sichtweise) hatte: Ein Besuch bei Lena in München. Nachdem wir uns jetzt zwei Monate nicht gesehen hatten (sie war ja mit mir in Newark) wurde es sowieso mal wieder Zeit, bzw. es musste jetzt sein, sonst wärs nichts geworden bevor ich wieder in die Staaten fliege.

Also bin ich Freitags nach der Arbeit mit ICE nach München gefahren und habe direkt an Lena’s “Willkommen in Deutschland”-Feier teilgenommen. Dort habe ich so ziemlich all ihre Freundinnen kennengelernt und leckere selbstgemachte Hamburger gegessen. 🙂

Am nächsten Tag war super Wetter (~30°C) und wir sind nach München in die Innenstadt gefahren wo ich mir eine persönliche Führung von Lena habe geben lassen. Marienplatz, Viktualienmarkt, Englischer Garten, LMU Unicampus und natürlich der Eisbach samt Surfer. Wer ihn nicht kennt sollte sich unbedingt die Bilder anschauen. Der Eisbach ist eine sehr kalte (daher der Name) Ableitung der Isar, der an einer Stelle am Flussboden eine Steinschwelle hat, wodurch in dem schnell fließenden Bach eine halbmeterhohe “stehende Welle” entsteht, auf der man (Talent vorausgesetzt) richtig surfen kann. Unter Enthusiasten ist die Stelle auch weltweit bekannt, nicht zuletzt porträtiert in dem Film “Keep Surfing” welchen ich letztes Jahr mit Lena zusammen in New York im Kino geschaut habe. In Echt sehen die Surfer aber genauo so eindrucksvoll aus wie im Film. Die Surfer stehen Schlange für ihren 20 Sekunden Ruhm. Das Wetter war auch angemessen warm, dass der Sprung ins Eiswasser wohl verkraftbar war. Schöner Anblick!

Übrigens war am selben Tag auch noch der Christopher Street Day in München, der Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern (LGBT). Obwohl ich in New York schon oft auf der Christopher Street gelaufen bin, habe ich letztes Wochenende zum ersten Mal den entsprechenden Umzug gesehen. Viele skurrile Personen, allerdings auch wirklich viele glückliche Pärchen! Auch einen Blick wert!

Abends waren wir dann auf einem Elektrokonzert in Fürstenfeldbruck, “I love my Bruck!“. Ich war noch nie auf einem Elektrokonzert und so habe ich mich sehr darauf gefreut. Ohrstöpsel waren für mich allerdings Pflicht! Die Location war ein altes Kloster, was für gute Stimmung und Akustik gesorgt hat. Star des Abends war Laserkraft 3D, vorallem bekannt durch ihr Lied “Nein Mann!” (ich will noch nicht gehen… lass uns noch ein bisschen tanzen). Allerdings kam Laserkraft erst um 3 Uhr morgens, da war ich schon ziemlich müde (vorallem da wir ja schon vorher den ganzen Tag in der prallen Sonne in München spazieren waren). Außerdem klang deren Musik nicht anders die der zwei DJs davor. Anscheinend war ich aber der Einzige der das fand, denn alle anderen sind voll abgegangen als sie ans Mischpult gingen. Die Show war aber recht witzig. Anstatt nur Kopfnickend am Pult zu stehen, hat Laserkraft 3D mit Mikrofon “gesungen” und teilweise mit Umhängekeyboard auf der Bühne gespielt. Laserkraft besteht aus zwei 24-jährigen Jungs (sie sahen eher aus wie 17), die Star Trek-ähnliche Kostüme und jeweils eine 3D-Brille (wie man sie aus dem Kino kennt) trugen. War witzig anzuschauen!

Am nächsten Tag stand dann erstmal Ausschlafen an und wir sind erst am frühen Nachmittag wieder nach München reingekommen, wo wir ans Isartor gefahren sind und lecker Sushi gegessen haben. Dann ging es auch schon Richtung Hauptbahnhof, wo ich mich mit meinem Mitbewohner Rene getroffen habe, der zufällig an diesem Wochenende auch in München war. So hatte ich für fünfstündige Rückfahrt nette Gesellschaft.

In Summe war es ein sehr schönes und abwechslungsreiches Wochenende an dem ich viel gesehen habe und auch die Gelegenheit hatte mit Lena mal wieder länger zu quatschen. Gerne jederzeit wieder!

Geldbeutel weg…

Ein Geldbeutel ist schon etwas praktisches. Und je mehr Karten und Erinnerungen (wie Kinokarten, Fotos, etc.) man reinsteckt, umso unverzichtbarer wird er. Dass er auf einmal weg ist, damit rechnet man nicht. Man denkt auch nicht darüber nach wie man im Alltag ohne auskommen würde. Ich durfte es am Dienstag erfahren…

Ich fahre gerade nach der Arbeit wie gewohnt mit der S-Bahn nach Köln Hbf, wo ich dann in einen IC oder ICE umsteige, um nach Düsseldorf zu gelangen. Kurz vor Ankunft in Köln um 18:39 Uhr wird meine Fahrkarte kontrolliert. Also, Ticket und Geldbörse raus, kurz warten, alles wieder einstecken und Reißverschluss wieder zumachen. Weil mein Geldbeutel mittlerweile so dick ist trage ich ihn nicht in der Hosentasche, sondern vorne in meiner Laptoptasche (ja ich weiss, das sollte man nicht tun, jetzt isses aber auch zu spät!). Ich steige aus dem Zug aus, verlasse das Gleis, quetsche mich mit hunderten und hunderten Pendlern durch die Bahnhofshalle, suche mein Gleis und nehme die Treppe nach oben. Oben angekommen schaue ich zufällig auf meine Tasche und mein Herz bleibt stehen: Das vordere Fach ist weit offen. Einige Schrecksekunden vergehen und mein Herz setzt in zehnfachem Temp so hart wieder ein, dass ich den Puls hart am Hemdkragen spüre. Ich sehe meinen Geldbeutel nicht. Ich gehe kurz zur Seite und durchsuche meine Tasche: Nichts, er ist weg! Ich bleibe stehen und atme erstmal tief durch. Was jetzt? Habe ich ihn verloren? Wurde er geklaut? Habe ich ihn irgendwo liegen gelassen?

Der Schweiß läuft schon und mir ist extrem heiß. Da ist alles drin. EC-Karte, Kreditkarte, Personalausweis, Führerschein (auch der Amerikanische, den ich mit viel Vorbereitung und Geduld ENDLICH bekommen hatte. Siehe HIER), Bahncard, Rotkreuz-Ausweis, Krankenversicherungskarte, Monatsticket für die U-Bahn, Studentenausweis und sonstige andere Karten. Glücklicherweise “nur” €40 in bar. Ohne den Geldbeutel darf ich nun auch keinen Zug fahren, weil Kreditkarte und Bahncard drin sind. Neue Tickets kaufen kann ich auch nicht weil weder Geld noch Karten…

Schadensbegrenzung: Erstmal renne ich in vollem Tempo von Gleis 2 zu Gleis 9, um in der S-Bahn nachzuschauen. Natürlich war die schon lange weg. Scheisse! Als nächstes dann den gleichen Weg zurück und den Boden absuchen. Wieder nichts. Nochmal stehen bleiben, durchatmen und mich sammeln. Mittlerweile bin ich durchgeschwitzt. Wohin nun? DB-Fundstelle! Dort angekommen schildere ich die Problematik und die netten Kollegen versuchen den Zugführer zu erreichen. Das dauert fast eine Stunde, in der ich schweißgebadet am Schalter stehe. Doch auch das Warten hilft nichts. Der Zugführer kann nichts finden. Ich solle doch bitte online einen Nachforschungsantrag einstellen. Chancen auf Erfolg? Sehr gering. Ich weiss ja nichtmal ob ich ihn einfach vergessen habe oder ob er geklaut wurde.

Mein nächster Gedanke gilt den Bankkarten. Ich ruf also meine Bank an und lass alles sperren. Kreditkarte wird automatisch neu versandt, die EC-Karte muss ich bei der Filalie selbst (die um – jetzt mittlerweile – 19:30 Uhr natürlich nicht mehr erreichbar ist) neu beantragen. Nein es wurden keine Abrechnungsaktivitäten zwischen 18:39 und 19:30 Uhr registriert, beruhigend.

Auf einmal bin ich furchtbar müde. Die Realisation sackt und das Adrenalin geht langsam zurück. Ich will einfach nur noch nach Hause. Das DB-Reisezentrum kann mir wegen mangelnden Ausweises keine temporäre Bahncard austellen also muss ich “schwarz” fahren. Glücklicherweise werde ich nicht kontrolliert. Auf der Fahrt informierte ich dann meine Eltern und bete meinen Mitbewohner um €50 als Leihgabe. Ärgerlich ist die Tatsache, dass ich ab jetzt keine Zugtickets mehr für die täglichen Fahrten zur und von der Arbeit kaufen kann, da das rabattierte Mitarbeiterportal der Bahn nur Kreditkarten akzeptiert. Naja, darüber mache ich mir später Gedanken.

In Düsseldorf angekommen gehe ich dann erstmal zur Polizeistelle. Dort melde ich den Verlust meines Geldbeutels samt aller Ausweise. Ich muss alles auflisten was drin war, im Detail. Zum Glück bin ich so organisiert, sodass ich sämtliche Kartennummern im Computer gespeichert habe, so konnte ich alles im Detail angeben. Es ist jetzt schon 21 Uhr und ich bin platt. Am Ende unterschreibe ich die Anzeige, mache das Dokumentenfach meiner Tasche auf und versuche meine Kopie der Anzeige einzustecken, aber es klappt nicht. Ich greife mit der Hand tief in die Tasche und ich erstarre. Ich weiss genau was ich da fühle. Und mir schießt auf einmal das Blut in den Kopf. Mein Geldbeutel war die ganze Zeit da! Zwar in einer sehr kleinen und tiefen Tasche wo er normal nicht ist, aber er ist da und es ist klar wer Schuld hat. Mir ist das zutiefst peinlich, aber ich habe mittlerweile absolut keinen Nerv auf mehr Tamtam, also verlasse ich ohne weiteren Kommentar die Polizeistelle.

Ich weiss nicht ob ich mich freuen oder fluchen soll. Die GANZE Zeit trug ich alles bei mir, ich hatte nie etwas verloren. Ich hatte in geistiger Abwesenheit den Geldbeutel nach der Fahrkartenkontrolle wohl einfach in die falsche Tasche gesteckt und er war bis unten reingerutscht, sodass ich ihn beim Taschencheck auch nicht wiedergefunden habe. Doch der gefühlte Verlust war schon genug. Aber es war wirklich noch alles da und ich muss nun nur auf meine neue Kreditkarte warten, da die EC-Karte wieder entsperrt werden konnte.

Am nächsten Tag musste ich aber dann dennoch (verdient!) die Peinlichkeit über mich ergehen lassen bei der Polizei meine Anzeige zurückzuziehen. Glücklicherweise war keiner der Beamten da die am Vortag Dienst hatten. Böse Blicke habe ich dennoch kassiert, inklusive suggerierender Sprüche wie: “Die Geldbörse war also die GESAMTE Zeit über in IHREM Besitz?”. Aber damit war es auch gegessen. Einige anstrengenden Stunden gingen zum Glück mit Happy End zuende! Was lernt man daraus? Sich erst einmal an die eigene Nase fassen bevor man versucht die Schuld auf andere zu schieben! Und: Besser aufpassen!

Anzeige, Kartensperrung und daneben.......... mein wiedergefundener Geldbeutel
Anzeige, Kartensperrung und daneben.......... mein wiedergefundener Geldbeutel