Fahrradtour als “Attraktion”

Amerikaner in New York und Umgebung fahren nicht viel Fahrrad. Das war die einzige Erklärung die ich für den hier beschriebenen Tag habe. Die Idee war super: “Cherry Blossom Bike Ride”, sponsored by Rutgers University. Einen Nachmittag in einer großen Gruppe in einem nahegelegenen Park radfahren. Kostenloser Radverleih und kostenloses Mittagessen. Klingt wunderbar. Diese beiden Punkte waren auch super! Nur wusste ich nicht ob ich über alles drumherum lachen oder weinen sollte. Aber erstmal kurz zum Ablauf:

Mittwoch Mittag haben sich ca. 30 Studenten an einem der Wohnheime eingefunden welches knapp 20 Leihräder umsonst anbietet. Lena, Mandy und ich hatten uns angemeldet und jeder hat sich ein Fahrrad ausgesucht. Ich hatte Schrottmühlen vermutet, allerdings waren die Räder modern mit V-Bremsen, frisch geölt und aufgepumpt. Den Fahrradhelm gab es kostenlos dazu!

Nach 30min “Aussuch-Chaos” waren dann alle versorgt und es konnte losgehen. Die Route war in zwei Teile geteilt. Teil 1 ging von Rutgers zum Branch Brook Park. Dort gab es dann Mittagessen und Teil 2 ging dann durch den Park und zurück zur Uni. Aber es wurde nicht gemütlich drauflos geradelt sondern wir wurden begleitet (oder sollte ich sagen”umzingelt”) von zwei Polizeiwagen und 6-8 Polizisten auf Fahrrädern. Die Strassen auf denen wir fuhren wurden teilweise abgesperrt. Auf Ampeln musste keine Rücksicht genommen werden. Und all das für nur 30 Studenten. Nach wenigen Minuten stellte sich aber heraus, dass dies notwendig war denn Amerikaner können anscheinend kein Fahrrad fahren. Es wurde kreuz und quer gefahren. Links, Rechts, Mittig, Schlangenlinien. Rechts überholen, links überholen, mitten auf der Straße anhalten, grundlos bremsen, anhalten, weiterfahren. Und all das im Schneckentempo. Zwischendurch wurde dann die Polizei benötigt, um die Studenten bergauf daran zu erinnern doch bitte runterzuschalten. Dieser Kommentar brachte oft nur fragende Blicke zu Tage. Das alles war so grotesk, dass es fast wieder lustig war.

Dennoch waren wir ca. 15min später (ich hätte die Strecke alleine in 3-4min geschafft, doch wir mussten in der Kolonne bleiben) im Park. Der “Branch Brook Park” ist ein schöner Park der im Westen von Newark angesiedelt ist und vom selben Architekten entworfen wurde wie der Central Park in New York. Er ist genauso lang, allerdings nur halb so breit. Und mehr als 4.000 (!) Kirschbäume. Leider war es noch zu kalt und es waren nur einige Blüten zu sehen. Generell war das Wetter recht unangenehm, aber es war schön etwas Bewegung zu bekommen.

Im Park angekommen haben wir diverse Vorträge über die Geschichte des Parks, Newark und Sicherheit im Strassenverkehr bekommen. Wer dann wollte konnte zurück zur Uni fahren oder zu Teil 2 übergehen und den Park erkundschaften. Erschreckenderweise hatten mehr als die Hälfte der Stundenten allerdings schon genug und sind zurück. Zuhause haben sie dann wahrscheinlich ihre Eltern angerufen und geprahlt, dass sie Radfahren waren… *seufz*

Teil 2 war auch wesentlich kürzer als erwartet und nach 20min waren wir schon wieder auf dem Rückweg. Aber angesichts des schlechter werdenden Wetters war dies doch keine schlechte Idee. Kurz vor Ankunft am Ziel passierte dann noch das Unvermeidliche: Eine Massenkarambolage. Ein Mädchen hat bergab zu fest an der vorderen Bremse gezogen und ist glatt über den Lenker auf die Straße geflogen. Die Radler hintendran sind zwar aufgefahren, sind aber glücklicherweise ohne Sturz davongekommen. Ich hatte jetzt mit Notarzt, Rettungshubschrauber und Militär gerechnet. Doch das Mädchen hat sich aufgerafft und ihr Rad die letzten Meter geschoben.

Alles in allem war der Nachmittag dennoch vergnügsam (wenn auch teilweise auf Kosten anderer) und nun weiss ich, dass ich jederzeit umsonst ein Fahrrad ausleihen kann. Ich hoffe das in den nächsten Wochen (wenn das Wetter besser wird) erneut in die Tat umsetzen zu können.

Spontantrip nach Washington DC – Teil 2

Das Wetter war die letzten zwei Tage leider nicht so schön wie am ersten Tag. Im Gegenteil: Es war primär kalt, windig und regnerisch. Laut Wetterbericht war es Newark sogar besser als in Washington.

Doch davon haben wir uns nicht beirren lassen und haben trotzdem viel angeschaut. Übrigens: Washington ist ein Reiseziel für Leute mit kleinem Budget, denn die wichtigen Attraktionen sind kostenlos. Die sogenannten “Smithsonian” Organisation ermöglicht das. Die Staatsorganisation unterhält 18 Museen und den Zoo in Washington. Und diese Ausstellungen sind keineswegs kleine uninteressante Schuppen, sondern riesige Gebäude mit Millionen von Ausstellungsstücken. So haben wir uns am zweiten Tag das National Museum of Natural History angeschaut. Das war leider nicht die tollste Idee, denn wer die Tage internationale Nachrichten gelesen hat wird mitbekommen haben, dass DC kurz vor dem Shutdown stand. Demokraten und Republikaner konnten sich nicht auf das Jahresbudget einigen und so drohte eine wochenlange Schliessung aller Staatsbetriebe, inklusive Kapitol, sämtlichen Memorials, der Führerscheinstelle (juhu!), dem Zoo und allen großen Museen. 800.000 Beamte müssen zuhause bleiben und Touristen gucken in die Röhre. Das hiess: Alle Touristen die am Wochenende ins Museum wollten haben den Besuch auf Freitag vorgezogen. Resultat: Im Museum konnte man sich vor Leute kaum bewegen, geschweigedenn unterhalten. Also sind wir recht schnell weitergezogen.

Nachmittags haben wir uns dann mit einem guten Familienfreund getroffen der nur wenige Minuten entfernt in Maryland wohnt. Mit ihm waren wir Mittagessen bevor wir uns wieder auf in Richtung Innenstadt gemacht haben. Wir wollten zum Air and Space Museum, allerdings hatten es schon verfrüht geschlossen. (Wahrscheinlich hatten sie sich schon vor dem Shutdown gefürchtet.) So sind wir eben etwas früher zum Hotel zurück gelaufen (generell ist Washington sehr gut zu Fuss anzuschauen) und haben es uns in unserer “Suite” gemütlich gemacht.