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Langes Wochenende in New Orleans, LA – Teil 1

New Orleans (bzw. umgangssprachlich “Neworlans”, “N’Awlins”, oder “Nola”, kurz für New Orleans, Louisiana) im Bundesstaat Louisiana war ein Ort den ich schon seit einiger Zeit auf meiner Liste hatte. Oft wurde ich in den letzten zwei Jahren gefragt: “Have you ever been to New Orleans? No? Dude, you HAVE to go.” Das Essen sei angeblich klasse und die Architektur unvergesslich. Mandy war ebenfalls noch nie dort und so konkretisierten wir schlussendlich Anfang des Jahres wir unsere Pläne und flogen für ein langes Wochenende in den tiefen Süden.


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Da Mandy zur Zeit in der Nähe von Washington DC arbeitet flog sie von dort direkt da hin. Für mich gab es leider keinen Direktflug, da Raleigh keinen großen Flughafen hat. Trotz Umstieg in Orlando konnten wir es so planen, dass wir etwa zeitgleich ankamen. Die reine Flugzeit betrug 3,5 Stunden und eigentlich lief auch alles wunderbar bis ich am Zielflughafen feststellte, dass die Airline mein Gepäck verschlampt hatte. Mittlerweile war es 23 Uhr und ich war einfach nur müde. Ich füllte genervt einige Formulare aus, nahm einen Kulturbeutel entgegen und machte mich mit Mandy aber ohne Gepäck auf Richtung Hotel. Als ich auf der Taxifahrt aus dem Fenster die Stadt so betrachtete war ich nicht beeindruckt. Runtergekommene Häuser, Graffiti und viel Armut. Ein bisschen wie in Newark. Doch unser Hotel war schön: Ein altes Eckhaus mit ausladenden Balkonen, gusseisernen Balustraden, großen Fenstern und Klappläden. Innen begrüßte uns viel dunkles Holz und traditionelles Mobiliar.

Der nächste Morgen begann mit einem erfreulichen Anruf, dass mein Koffer in der Nacht unten an der Rezeption abgegeben wurde. So hatte ich – nach einer Nacht in verschwitzten Arbeitsklamotten – direkt wieder frische Kleidung und Badzeug. Damit ließ sich der Tag schon besser bestreiten. Und was für ein Tag es werden würde. 25°C, Sonnenschein und ein wolkenloser Himmel. Nicht überraschend für eine Stadt nahe der Golfküste, aber selbst für North Carolina-Verhältnisse warm.


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Nach dem Frühstück machten wir uns also zu Fuß auf in die Stadt. Die Gegend rund um das Hotel war zwar nicht einladenend, doch nur wenige Straßen weiter kamen wir in das French Quarter, den historischen Teil der Stadt. Mir klappte ziemlich schnell die Kinnlade runter. Fast jedes Gebäude wirkte als wäre die Blaupause eine Postkarte gewesen: Pechschwarze gusseiserne Balkone, schmale hohe Fenster, farbenfrohe Wände, hölzerne Klappläden und viele Pflanzen. Die Straßen waren schmal und voll mit Leuten. Viele der Häuser waren Restaurants, historische Hotels, Kunstgallerien, Antiquitätengeschäfte oder sympathische Ramschläden. Man sah die gelegentliche Pferdekutsche und aus dem einen oder anderen Fenster säuselte Jazzmusik. Diese Gegend zog sich zehn bis fünfzehn Blocks in alle Richtungen, war also recht groß. Es gab viel zu entdecken. Kleine Innenhöfe mit Cafés.

Und mitten im French Quarter dann – ganz unerwartet – die Bourbon Street. Ein billiges Lokal neben dem anderen, Clubmusik, besoffene Jugendliche, kaputte Gläser auf der Straße und Alkohol in der Öffentlichkeit. Das klingt vielleicht als wäre es nichts besonderes, doch New Orleans ist der einzige Ort in ganz USA wo man in der Stadt in der Öffentlichkeit Alkohol konsumieren darf. In allen anderen Städten ist es streng verboten. (In North Carolina darf man nicht mal eine Flasche Alkohol mit sich im Passagierraum eines Auto führen, selbst wenn man nüchtern ist.) Doch diese Freiheit ist nur halb durchdacht. Man darf mit Alkohol in kein Geschäft rein und in kein Auto oder Taxi steigen. Ist man also mal draußen heißt es “auf Ex!” bzw. “Chug! Chug! Chug!” Als wären die Schnapsnasen von Karneval und Fasching gemeinsam in die USA ausgewandert. Und das schon am Vormittag. Und tatsächlich gibt es so etwas wie Karneval in den USA. Das Fest heißt “Mardis Gras” und findet jedes Jahr kurz vor Aschermittwoch statt. Und was Köln für den Karneval ist, das ist New Orleans für Mardis Gras. Die Traditionen sind recht ähnlich, bis auf eine merkwürdige amerikanische Eigenheit: Plastikperlenketten… Billige, regenbogenfarbene Perlenketten. Sie hängen von Laternen, in Bäumen, in Fenstern, überall. Die dazugehörige Geste ist recht einfach und vorallem für Männer durchaus lukrativ. Man kaufe vor dem Fest dutzende Perlenketten und gehe auf eine Frau zu. Man gebe der Frau eine der Perlenkette. Im Gegenzug entbößt die Frau für den Mann ihre Brüste. Kein Witz! Siehe hier. Am Ende des Abends “gewinnen” jene Frauen die die meisten Perlenketten haben und jene Männer die wahrscheinlich wegen Reizüberflutung vor Sauerstoffunterversorgung des Gehirns am Boden liegen. Nach Erläuterung dieser Tradition machte auch plötzlich die Empfehlung meiner männlichen Arbeitskollegen “make sure to bring beads” Sinn.

Doch so verrückt war es zu dieser Zeit in New Orleans dann doch nicht. Es war nur wie eine normale Samstagnacht in Köln. Zum Glück beschränkte sich dieser Bereich auf diese eine Straße. Und einen Block weiter war schon nichts mehr zu hören und zu sehen.

Am einem Ende des French Quarter lag unser Hotel, am anderen der Mississippi River. Vom Fluss war ich absolut unbeeindruckt. Ein riesige, braune, hässliche Wassermasse, voll mit Öltankern und gesäumt durch Fabriken, Raffinerien und Lagerhäuser. Keine naturbelassene Idylle mit Schaufelraddampfern. Sehr schade. Zudem ist New Orleans weiter weg vom Meer als ich dachte. Man muss über 100km flussabwärts schippern, bzw. 60km per Land zurücklegen. Dennoch ist er breit und tief genug, dass Kreuzfahrtschiffe und Frachter über 500km flussaufwärts fahren können. Entsprechend ist es nicht überraschend, dass der Mississippi schon seit Jahrhunderten eine Haupthandelsroute ist.

Um die Geschichte und die Größe des Fluss besser zu verstehen haben wir am zweiten Tag einen zweistündigen Ausflug mit einem echten Schaufelraddampfer unternommen. Es gibt in den USA nur noch zwei die sich in Betrieb finden und mit Dampf/Schaufelrad angetrieben werden. (Witzigerweise ist das Schiff auf dem wir waren – die “Natchez” – auf dem Buchdeckel des deutschen ADAC-Reiseführers “USA-Südstaaten” abgebildet, welchen ich dabei hatte). Die Fahrt war entspannend und es war schön, dass der Fahrtwind die Intensität der Sonne angenehmer machte.

Fortsetzung folgt…

Roadtrip – Kalifornien


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  • A: Las Vegas, NV
  • B: San Diego, CA
  • C: Los Angeles, CA
  • D: San Simeon, CA
  • E: Santa Cruz, CA
  • F: Yosemite National Park, CA
  • G: San Francisco, CA

Nach Las Vegas ging es auf nach Kalifornien. Der erste Stopp war San Diego, wieder eine Stadt an der mexikanischen Grenze. Entsprechend warm war es da auch. Die historische Innenstadt war schön, richtig mit Saloons und Schaukelstühlen. Anschließend waren wir auf der USS Midway, einem Flugzeugträger welcher zum Museum umfunktioniert wurde. Kaum zu glauben wie groß so ein Schiff ist und wie lange die Matrosen damit auf See sind. Auf jeden Fall eine Erfahrung wert.

Weiter ging es 200km nördlich nach Los Angeles. Dies war eines der anstrengendsten Strecken, da (vor allem im Vergleich zum ersten Teil unserer Reise) sehr viel Verkehr war. Los Angeles selbst war eine ziemliche Enttäuschung. Sie gleicht jeder anderen amerikanischen Großstadt und weist wenige schöne, sehenswerte oder historische Gebiete auf. Sie ist berühmt wegen den Leuten die dort wohnen und den Events die dort stattfinden. Selbst eine Bustour war nicht erleuchtend. Hier wohnt Angelina Jolie, dieses Restaurant gehört Brad Pitt, in diesem Hotel übernachtete 1952 xyz, usw. Venice Beach hingegen war interessant. Nicht wegen dem Strand, sondern wegen der Promenade, wo sich die verrücktesten Läden und Menschen finden, hochtalentierte Skateboarder ihr Können zur Schau stellen und man sich für $40 eine medizinische Marijuana-Karte kaufen kann…

Am nächsten Tag starteten wir den ersehntesten Teil unserer Reise: Die Fahrt entlang dem Highway 1, dem (angeblich) schönsten Highway der Welt. Und tatsächlich, es war atemberaubend. Und nicht nur für 15 Minuten, sondern zwei volle Tage Fahrt. Meist entlang der Küste, oft durch Wälder und an Felswänden vorbei schlängelt sich die 1.056km lange Straße. Es ging vorbei am berühmten Malibu Beach, Santa Barbara, Santa Maria bis nach San Simeon. Diese Stadt hat keinerlei Bedeutung, außer dass wir dort in einem Motel übernachtet haben, bevor es früh am zweiten Tag weiter zur Küstenstadt Santa Cruz ging. Dort wollten wir eigentlich surfen gehen, allerdings war es an dem Tag windstill. Dennoch konnten wir bei angenehmer Temperatur am Strand liegen und etwas Sonne tanken. Die Stimmung in Kalifornien war entspannt. Keiner hatte es eilig und die Leute waren freundlich, als ob keiner je arbeiten müsste.

Auf Höhe von Santa Cruz verließen wir den Highway 1 und machten und landeinwärts auf den Weg zum Yosemite National Park, einem der schönsten Nationalparks Kaliforniens. Und wir wurden nicht enttäuscht. Er war schon fast gleichauf mit dem Grand Canyon. Nur waren die Steine grau und die Bäume grün (statt rot und braun). Wundervolle Blicke, wilde (Klein-)Tiere und Natur pur. Bilder sagen hier mehr als Worte! Über 1.000 Höhenmeter sind wir aufgestiegen, vorbei an reißenden Wasserfällen und unzähligen saftig grünen Tannen. Der Blick vom Gipfel entschädigte zudem die Anstrengung des Anstiegs vollkommen. Natur so weit das Auge schaut. Dieses Mal waren wir entsprechend ausgestattet mit ausreichend Sonnencreme, Wasser und Verpflegung.

Spät Abends ging es dann noch weiter zu unserem letzten Stop: San Francisco. Es war fast magisch bei Nacht die Skyline am Himmel zu sehen und über 3km-lange Oakland Bay Bridge die Bucht bis in die Innenstadt zu überqueren. Hier waren wir zwei Tage und haben es genossen mal nicht im Auto sein zu müssen. Wir haben die üblichen touristischen Sachen, die ich bereits mit Mandy im Januar gesehen hatte. Allerdings konnten wir unser Auto anfangs noch gut ausnutzen und sind über die Golden Gate Bridge gefahren, auch eine super Erfahrung!

Am 31. Mai ging es Abends los zum Flughafen, wo wir unseren Nachtflug nach New York, via Cincinnati in Ohio – angetreten sind. Gegen Mittag am 1. Juni waren wir dann wieder zurück. Erschöpft vom Erholen, kaum zu glauben!