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Independence Day in Washington, DC

Jedes Jahr am 4. Juli feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit von Großbritannien, als Jubiläum des selbigen Tages in 1776. Doch anders als in Deutschland am 3. Oktober herrscht am 4. Juli in den USA Ausnahmezustand, wie so oft an großen Feiertagen. Alles wird in blau, rot und weiß dekoriert, es wird deftig gegrillt und Abends wird Feuerwerk geschaut. Ja, „geschaut“ und nicht „gezündet“, denn das ist den USA illegal. Nur wenige Staaten erlauben den Vertrieb von Feuerwerk und auch dort meist nur die kleinen bodengebundenen Böller und Wunderkerzen. Aber Großveranstalter gibt es am 4. Juli zu genüge, sodass man sich in jeder Stadt zwischen mehreren Schauplätzen entscheiden kann.

Letztes Jahr hatte ich mir das Spektakel in New York City angeschaut. Eine einmalige Erfahrung, denn die Stadt schießt die Raketen von vier Booten auf dem Hudson River – zwischen New York und New Jersey – und synchronisiert die Zündungen, sodass es noch viel bombastischer wirkt und man es entlang der gesamten Halbinsel sehen kann. Zudem sperrt die Polizei den West Side Highway, sodass man von einer Anhöhe am Ufer die Show bewundern kann.

Ich wusste also, dass es schwer sein würde diese Erfahrung zu toppen. Doch letztes Wochenende war ich in Washington DC, um mit Mandy das Feuerwerk in Amerikas Hauptstadt anzuschauen. Da knapp eine Million (!) Besucher erwartet wurden, beschlossen wir das Auto an der ersten U-Bahn-Station zu parken und von dort aus die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Mit Picknick und Buch bewaffnet machten wir uns also auf dem Weg und kamen gegen 17 Uhr an der National Mall an, wo schon reges Treiben herrschte. Dennoch ergatterten wir einen super Platz, direkt vor dem Washington Monument. Dort machten wir uns ein gemütliches Abendessen und sonnten uns bei 30 Grad unter wolkenlosem Himmel.


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Gegen 20:30 Uhr wurde es langsam dunkel und die Menschenmasse verdichtete sich stark. Die National Mall ist eine riesige Fläche und doch war kaum ein Flecken Grass zu sehen. 30 Minuten später war es dann soweit, die erste Rakete stieg in den Himmel und löste tosenden Applaus aus. Die Atmosphäre löste in mir Gänsehaut aus. Hier saß ich, im Herzen der Hauptstadt einer Supermacht, am wichtigsten Tag des Jahres, umringt von einer Million Besucher. Wahnsinn…

Das Feuerwerk selbst allerdings war – mit einigen Ausnahmen (z.B. drei Feuerwerkskörper die die Buchstaben U-S-A in den Himmel malten) – leider recht unspektakulär und nach 15 Minuten schon vorüber. Dann traten wir den Rückweg an, bzw. wir versuchten es. Denn wie man sich denken kann sind die meisten Besucher ebenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Entsprechend standen wir über eine Stunde (!) im Gedränge, nur um überhaupt in die U-Bahn-Station reinzukommen. Dann dauert es eine weitere Stunde bis wir losfahren und schließlich an der Zielhaltestelle aussteigen konnten. Man fühlte sich wie eine Sardine in der Dose. Es ging nicht vorwärts und nicht rückwärts. Man hing fest, in einem Tunnel. Es lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, denn ich musste an das Loveparade-Desaster von 2010 denken. Eine Massenpanik hätte in Washington sicherlich auch ziemliche Zerstörung verursacht. Entsprechend kam zu dem Gedränge die Frustration der Wartenden, was zu einigen Schlägerein führte. Glücklicherweise war die Polizei schnell zur Stelle und beruhigte die Menge. Nach Mitternacht kamen wir dann endlich bei Mandy zuhause an und waren erschöpft. Eine einmalige Erfahrung, aber sehr anstrengend!

Am folgenden Wochenende schauten wir uns weiter die Gegend an. Dieses Mal auf der Liste war das „Air and Space Museum“ der Smithsonian Institution, nahe dem Flughafen Dulles International Airport in Virginia. Das Museum besteht aus einem riesigen Hangar, voll mit Flugzeugen aller Zeitalter, vom ersten Fluggerät von 1903 bis zur Concorde von 2003. Zudem ist das Museum die letzte Ruhestätte der berühmten „Discovery“, der US-Raumfähre die zwischen 1984 und 2011 knapp 40 Mal im All war. Für mich als Spielkind war das natürlich ein gefundenes Fressen. Alles in allem also ein beeindruckendes und sehr geschichtsträchtiges Wochenende.

Besuch des Militärfriedhofs in Arlington, VA

Da Mandy zur Zeit in der Naehe von Washington DC arbeitet fahre ich alle paar Wochenenden die 440km mit dem Auto hoch. Entsprechend schauen wir uns dann auch in der Gegend um. Letztes Wochenende besuchten wir also den Arlington National Cemetery, den groessten Nationalfriedhof der USA. Es ist ein riesiges Gelaende (ueber 250 Hektar), zwischen der National Mall und dem Pentagon. Wenn man drinsteht glaubt man kaum, dass das Gelaende nur wenige Fussminuten vom Herzen DCs entfernt liegt.


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Der Friedhof ist etwas besonderes und er bedeutet den Amerikanern sehr viel, denn hier werden seit 1864 viele der Kriegstoten begraben und geehrt. Zudem ist es die letzte Ruhestaette von Praesident John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline. Und in der Tat ist das Areal ueberwaeltigend: Das Gelaende hebt und senkt sich, uebersaet von weissen – makellos angeordneten – Militaergrabsteinen, bis an den Rand des Horizonts. Die Flora ist vielfaeltig, sattgruen, und perfekt gewartet. Gelegentlich ragt ein bombastisches Mausoleum in den Himmel, doch es harmoniert alles.

Es war ein wundervoller Tag (der mir uebrigens einen Sonnenbrand beschert hat) und so waren hunderte Touristen in dem Areal unterwegs. Dennoch war die Atmosphaere bedrueckend und „echt“. Wir sahen viele Militaerveteranen, die entweder in Erinnerungen versunken am Wegrand standen oder jedem der stehenblieb seine Geschichte zu erzaehlen versuchte. An JFK’s Grab hielten wir an, drehten uns um und bewunderten die Aussicht. Von dort aus hatten wir einen guten Blick ueber Washington DC, den Obelisken des Washington Monuments und das Kapitol.

Wir gingen weiter und kamen zum beeindruckensten Bereich des Friedhofs: das Grabmal der Unbekannten („Tomb of the Unknowns“). Hier werden Soldaten die nach ihrem Tod nicht identifiziert werden koennen geehrt. Seit 1948 wird das Grabmal durchgehend bewacht. „Die alte Garde“ patroulliert hier rund um die Uhr und haelt jede Stunde ein Ritual zur Ehrung der Toten. Es erinnerte mich etwas an die Rituale der Schweizergarde im Vatikan. Wenn man all das so sieht ist es fuer mich unverstaendlich wie viele Amerikaner immer wieder in den Krieg ziehen wollen.