Langes Wochenende in New Orleans, LA – Teil 2

Eine Sache auf die ich mich in New Orleans natürlich besonders gefreut hatte war das Essen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Mandy hatte im vorhinein einige Restaurants rausgesucht und wir fanden zusätzlich auch spontan gute Lokale. Üblich in der Gegend sind Fisch, Garnelen, scharfe Soßen, “Po’Boys” und “Muffulettas”. Ein Po’Boy ist ein Sandwich mit Wurst, die nicht aus Schweinefleisch, sondern aus Garnelen oder Hummerfleisch gepresst ist. Klingt komisch, is aber so (und dazu noch lecker). Ein Muffuletta ist ebenfalls ein Sandwich, allerdings aus Fladenbrot, belegt mit Schinken, Käse, Salami und Oliven. Das Essen war insgesamt sehr lecker und es wurde auch in einem anderen Tempo genossen als in den Rest der USA. Es verging immer viel Zeit zwischen den Gängen, man wurde nicht direkt genervt wenn man zehn Minuten lang nichts bestellt hatte und die Bedienungen waren überragend. Jeder Ober konnte problemlos jede unserer Fragen zu den Gerichten beantworten, erzählen genau wie es zubereitet wird, welcher Wein passt usw. Und das auch in den günstigeren Lokalen. Die Servicewüste Deutschland kann sich von New Orleans auf jeden Fall eine dicke Scheibe abschneiden.

Abends stand natürlich Musik auf dem Programm. Und zwar Jazz, Dixieland oder Swing. Schon tagsüber begegnete man öfters Straßenbands die fetzige Töne spielten, und so waren wir auf die professionellen Auftritte gespannt. Und obwohl Jazz nicht zu meinen Lieblingsgenres gehört war die Musik klasse. Sie hatte Stil, aber wirkte dennoch natürlich und angemessen. Wir saßen in einer Hotellounge, lauschten der Musik und konnten uns nicht dazu bewegen aufzustehen. Die Musik war, trotz ihres langsamen Tempos, fesselnd und mitreißen.

Am letzten Tag beschlossen wir die Gegend außerhalb der Stadt etwas zu erkunden. Denn neben Musik und Essen ist die Gegend bekannt für ihre Geschichte. Vorallem in Bezug auf den Sklavenhandel und Baumwollplantagen. Also mieteten wir uns ein Auto (nebenbei gesagt war es ein wirklich klasse Auto: Ein VW Passat CC der neusten Generation) und fuhren raus ins Land.



A: New Orleans, B: St. Joseph Plantation, C: Baton Rouge, D: Flughafen

Die Landschaft erinnerte Stark an die Everglades in Florida, denn es war sumpfig die Wälder wirkten schon fast dschungelartig. Überall entlang des Mississippi hatten sich vor vielen Jahren Plantagen etabliert, primär zur Erntung von Baumwolle und Zuckerrohr. Dies waren bombastische Villen auf riesigen Landstücken, erbaut und betrieben von Sklaven. Mit dem amerikanischen Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Plantagen unprofitabel und wurden verlassen. Die meisten wurden abgerissen und durch Sand- und Tonfabriken ersetzt. Doch einige sind erhalten geblieben und eine davon schauten wir uns an.

Es war nichts atemberaubendes, aber es brachte mir ein wichtiges Stück Geschichte näher und machte es real. Zwei Realisationen: 1) Unvorstellbar, das Leben eines Sklaven auf einer Plantage. Die Hitze, die Arbeit, die Lebensbedingungen, und wie ein Gegenstand behandelt zu werden. Die Plantage wurde seit ihrem Bau einige Male verkauft und entsprechend wurde bei jeder Transaktion das Inventar aufgelistet, inklusive der Sklaven. Herzzerreißend zu sehen, dass es für Sklaven Marktwerte gab, je nach Alter, Kraft, Geschlecht und Anzahl Kinder. So war “Big Earl, 28” im Jahr 1840 $3.200 wert, “George, 45” $2.000, “Old Isaac, 72” nur $32, und “Tom, 15, *paralyzed” gerade mal $1.50.” 2) Es gab durchaus aus humane Plantagenbesitzer die ihre Arbeiter zumindest medizinisch gut versorgten und ihnen etwas Freizeit gab. (Allerdings mag das an den hohen Marktwerten gelegen haben. “Big Earl” würde in “2013 Dollars” $86.000 wert sein).

Nach dem Ausflug hatten wir noch etwas Zeit bevor wir zurück zum Flughafen mussten, also beschlossen wir bei dem guten Wetter noch bis nach Baton Rouge dem Mississippi zu folgen und die Landschaft zu genießen. Die Fenster waren offen, die Straßen waren kurvig und das Fahren hat Spaß gemacht. Nur die Landschaft sah traurig aus. Der Fluss voller Öltanker und an den Ufern große Fabriken und Ölfelder so weit das Auge sehen konnte. Wir kamen durch viele kleine Ortschaften die direkt an den Fabrikgeländen lagen. Bilderhübsche Häuschen und kleine Sträßchen, die wunderschön wären wenn da nicht diese riesigen Schandflecke gleich nebenan stehen würde. Wirklich schade. Aber faszinierend wie viel Öl, Ton, Sand und Zucker in der New Orleans Gegend produziert wird.

Nach unserer Spritztour kamen wir pünktlich am Flughafen an und traten unsere jeweiligen Rückflüge an. Glücklicherweise dieses Mal ohne Gepäckverlust.

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