US-Führerschein – Tragödie in (hoffentlich) vier Teilen

Mein deutscher Führerschein ist nach 60 Tagen hier in den USA abgelaufen und wie der internationale Führerschein funktioniert ist mir noch nicht ganz klar (obwohl ich einen habe), also habe ich mich die letzen Monate bemüht den New Jersey Driving License zu bekommen. Die Reise dahin war lang und ist leider noch nicht zu Ende. Glücklicherweise hatte ich Lena an meiner Seite. Hier mein aktueller Stand…

Teil 1 – Rutgers Office of International Student Services:

Der erste Schritt war ein Schreiben des International Offices welches bestätigt, dass ich Student der Rutgers University und legaler internationaler Student bin. Als ich das Schreiben beantragt habe wurde mir gesagt: “In spätestens zwei Tagen ist es fertig. Wir melden uns.” Und was war? Nix natürlich. Zwei Wochen (!) später bin ich dann nochmal vorbei gegangen (auf E-Mails wird grundsätzlich nicht reagiert) und habe die Antwort bekommen: “Nein, das Schreiben ist noch nicht fertig, wir haben diese Woche viel zu tun.” Warum sie nicht schon letzte Woche wie versprochen angefangen haben habe ich mir verkniffen. Aber tatsächlich habe ich dann einen Tag darauf das Schreiben erhalten.

 

Teil 2 – U.S. Social Security Administration:

So ärgerlich wie der erste Schritt schon war, die Unibehörden sind nichts im Vergleich zu den Staatsbehörden. Wir haben ein Schreiben gebraucht welches bescheinigt, dass wir keine Social Security Number bekommen weil wir Austauschstudenten sind. Das ist wichtig, da die Führerscheinstelle die Nummer zwingend voraussetzt und dies der einzige Weg ist dem zu entfliehen. Wir sind vor ein paar Wochen schon morgens früh zur Behörde gelaufen (ca. 25min vom Wohnheim) und mussten dennoch eine knappe halbe Stunde bei null Grad im Freien warten, nur um Innen alle Metallgegenstände (inkl. Schuhe, Gürtel) abzugeben und einen Flughafen-ähnlichen Security-Check zu durchlaufen.

Wir hatten stundenlange Warterei erwartet, wurden aber nach 30min schon aufgerufen. Auch der Prozess lief reibungslos, auch wenn Lena und ich beide unterschiedliche Aussagen und Schreiben erhalten haben. Letztendlich haben wir aber alles bekommen.

 

Teil 3 – Department of Motor Vehicles (Versuch #1):

Jetzt waren alle Vorbereitungen getroffen (dachten wir zumindest) und wir haben uns auf den eigentlichen Besuch der Führerscheinstelle vorbereitet. Als Besitzer eines deutschen Führerscheins muss man in New Jersey nur den Theorietest nachholen. Dieser kostet um die $15 und kann so oft wiederholt werden wie man möchte. Also ein Witz im Vergleich zu Deutschland. Die Fragen sind aber ähnlich schwierig und wir haben etliche Probetests gemacht um uns vorzubereiten. Dann haben wir sämtliche ausweisenden Unterlagen gesammelt und sind heute morgen um 7 Uhr nach Jersey City zum Department of Motor Vehicles (DMV) gefahren. Das Newark DMV haben wir absichtlich vermieden da wir nur Negatives diesbzüglich gehört hatten. Nachdem wir auch hier 20min in der Kälte – diesmal aber auch noch mit Regen – standen konnten wir 10min NACH offizieller Öffnungszeit eintreten, nur um gesagt zu bekommen, dass wir am falschen Ort sind. “Ja, Driver Testing gibts hier, aber nur für U.S. Staatsbürger. “Aliens” müssen hier hin” sagte sie und zeigte auf ein Blatt mit einer Adresse. Das andere DMV war nochmal 45min entfernt und mit dem Bus glücklicherweise halbwegs gut zu erreichen.

Zu dem Zeitpunkt waren wir schon ziemlich gefrustet. Es wurde aber nur noch schlimmer. Beim zweiten DMV war die Hölle los (es war mittlerweile über eine Stunde nach Öffnung) und überall waren widersprüchliche Poster und Pfeile angebracht. Und wir schienen außerdem die Einzigen Nicht-Mexikaner zu sein. Der erste Schritt war eine Schlange die etwa 30 Menschen lang war und zu einem Schalter geführt hat wo man sich ausweisen musste. Und dort endete unsere Reise auch schon. Wir konnten nicht weitermachen da unser Visum keine 60 Tage mehr gültig ist und das anscheinend aus irgendeinem Grund wichtig ist. Warum? “Weil das so ist.” Da Lena nur ein Jahr in den Staaten ist kann sie ihr Visum nicht verlängern, ergo also auch keinen Führerschein beantragen. Der deutsche Führerschein ist aber abgelaufen. Wie also dann fahren? Diese Frage konnte die Dame uns auch nicht beantworten. Lena hat nach dem Vorgesetzten gefragt, nur diese (wie eine Putzfrau-aussehende) Dame war noch weniger hilfreich und sagte: “Nun gut, dann fahren Sie eben gar nicht.” Das war dann das Ende unseres Ausflugs und diese fünf Stunden unseres Lebens kriegen wir nie mehr zurück… Ich hoffe ich habe mehr Glück nachdem ich mein Visum verlängert habe.

Lena angepisst beim DMV
Lena angepisst beim DMV

Martin als Schullehrer in den Staaten

Als ich mich vor sechs Wochen zum Fulbright Global Classroom angemeldet habe war mir nicht bewusst, dass diese Woche die stressigste Woche des Jahres 2011 (bis dato!) sein würde: Am Montag ein vielversprechendes Jobinterview in New Jersey (am Samstag dazu mehr), ein weiteres am Donnerstag, zwei “Final Exams” am Mittwoch und je ein Paper am Montag, Mittwoch und Donnerstag.


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Das alles hat mich aber nicht davon abgehalten die Präsentation rechtzeitig fertig zu stellen und Dienstag morgen nach Queens zu fahren. Queens ist der fünftgrößte Stadtbezirk in New York (2 Millionen Einwohner) und ist einer der runtergekommeneren und ärmeren Viertel. Die Schule die mir zugeteilt wurde ist die Newcomers High School und – wie der Name vermuten lässt – ist die Schule für “Newcomer”, also Neuankömmlinge gedacht. Die meisten Kinder hatten asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Hintergründe, sprachen aber gut Englisch. Die 35 Schüler waren alle im Alter 15 bis 17 Jahre, interessiert und engagiert. Aber das lag vermutlich auch daran, dass ich ein “Guest Lecturer” und nicht ihr Klassenlehrer war. Die war aber auch da und hat zugeschaut. Zur Unterstützung war ebenfalls eine Organisatorin vom Global Classroom Training mitgekommen.

Im Anhang findet ihr ein paar Screenshots meiner Präsentation. Sie war ca. eine Stunde lang und hat viel auf dem Input der Schüler aufgebaut. So habe ich erstmal ein Brainstorming zu “Deutschland” gemacht, um zu erfahren was die Schüler denken. Wie erwartet kam ganz oben “Hitler” und “2. Weltkrieg” raus (auf einigen der Schulbänken hatte ich schon Hakenkreuze entdeckt…). Dadurch, dass das schon ganz am Anfang kam konnte ich das allerdings direkt ansprechen und entschärfen. Das Thema kam für den Rest meines Workshops daher kein einziges Mal mehr auf! Ansonsten waren die Antworten ehrlich und relevant: “Bier, Mercedes, BMW, Berlin, Bratwurst, Fußball” obwohl keine der Kinder schon mal in Deutschland war. Auch auf der Weltkarte hatten sie Deutschland schnell entdeckt. Die angrenzenden Länder wusste aber keiner (der Kartenausschnitt war ihnen wahrscheinlich einfach zu groß).

Der zweite Teil des Workshops ging dann um BWL und die Unternehmensberatung. Da habe ich erzählt wieso ich BWL studiere, was man da so macht und was es für Karrieremöglichkeiten gibt. Obwohl das Thema etwas ernster war haben die Schüler Fragen gestellt und schienen interessiert. Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen und erzählt wie hart es ist in der Unternehmensberatung zu arbeiten (auch wenn der Verdienst gut ist 😉 ), aber auch, dass man nicht gut in Mathe sein muss um BWL zu studieren.

Alles in allem wurde ich sehr gut angenommen und die Stunde hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich habe viel improvisiert und werde das nächste Mal (ja, es wird in ein paar Wochen ein zweites Mal in einer anderen Schule geben!) einiges mehr noch in die Präsentation einbauen. Vielleicht hätte ich doch Lehrer werden sollen 😛